Geschichte

Eine kurze Chronik, aufgestellt von Bruder Tobias, sei dem geneigten Leser zum Überblick über die bewegte Geschichte unseres schönen Fürstentums vorgelegt.
Jene Leser, welche einen noch schnelleren Überblick wünschen, sei der Zeitstrahl empfohlen.

Einleitung

Jenes Land, welches wir heute Siebenhafen nennen, trägt diesen Namen seit nicht besonders langer Zeit. Zu Beginn gab es nur einen Landstrich, der heute wie damals Dobran genannt wird. Ich will nun berichten, wie sich Dobran immer mehr andere Landschaften und Gegenden anschlossen, und wie daraus schließlich mit dem Schwur auf dem Himmelsberg Siebenhafen entstand.

Vor über 1100 Jahren stieg der Engel Gottes als Milena vom Himmel und brachte den Menschen den Schutz vor dem Fünfgeschwänzten. Dies tat sie in einem Wald nahe dem mittlerweile verfallenen Dorf Nordmoor, ein Ort, der erst im vergangenen Jahr von mutigen Abenteurern wieder entdeckt wurde. Diese Gegend liegt heute in Nebelheim, doch damals, vor über 1000 Jahren, gehörte er noch zu Dobran. Milenas Wirken kann jeder im Liber Rotae nachlesen, daher sei hier nur gesagt, dass die Menschen nach Ihrer Ankunft auf Erden endlich ein glückliches Leben frei von den Unterdrückungen des Versuchers leben konnten. Das Jahr Ihrer Ankunft nennen wir Jahr Eins, und das ist nun 1109 Jahre her.

Dobran

siehe auch Herzogtum Dobran
500 Jahre später, also vor gut 600 Jahren, hatten die Orks gelernt, wie man Waffen aus Eisen herstellt und waren nun auf dem Schlachtfeld erstmals den Menschen ebenbürtig. Die Menschen, unvorbereitet und nicht an den Krieg gewöhnt, wurden von Ihrem Angriff überrascht, der sie nach Norden zurückwarf und schließlich dort halt machte, wo heute die Grenze zwischen Dobran und Nebelheim ist. Der Ort von Milenas Fleischwerdung war fast vergessen, und so ließ man auch Nordmoor in die Hände des Feindes fallen. Ein Gutes hatte der Angriff der Orks: durch Dobran ging ein Ruck, und von Stund an bestand das Leben der Dobraner Ritter aus einer Abfolge von Kämpfen und Leibesertüchtigungen, so dass die Orks und alle anderen Feinde des damaligen Herzogtums von nun an stets auf Abstand gehalten wurden.
Eine Zeit des Stillstandes kehrte ein, an Dobrans südlicher Grenze flackerten zwar immer wieder Kämpfe auf, aber die große Zahl der Orks hielt sich mit der überlegenen Kampfeskunst der Eisernen die Waage.

Landung der Nordmänner

siehe auch Herzogtum Südfeste
Vor 300 Jahren fand dann eine Invasion ganz anderer Art statt: am Strand der fast menschenleeren Küste westlich von Dobran landeten großgewachsene Nordländer, Männer und Frauen mit blonden Haaren und blauen Augen. Für die Dobraner war dieser Landstrich mangels Festland nie von Interesse gewesen – im Grunde war es nicht mehr als eine Ansammlung von sandigen Hügeln, die im Sommer von matschigem Watt umgeben und im Winter nicht viel mehr als winzige, sturmumtoste Inselchen waren. Wie auch immer, den Nordleuten gefiel es anscheinend.
Ihre Sagen aus der Heimat berichten vom tyrannischen König Sligon, der seinen aufrechten Bruder Onno mit dessen Familie, dessen Getreuen und all dessen Booten gefesselt aufs Meer hinaus schickte, in dem Glauben, er werde jämmerlich scheitern. Dem war jedoch nicht so, sie fanden die Gegend, noch nicht ganz Land, aber auch nicht mehr ganz Meer, und nannten sie „Südfeste“.
Die Dobraner nahmen aufgrund des Kampfes in ihrem Süden kaum Notiz von den Neuankömmlingen, und sie überließen ihnen diesen vermeintlich wertlosen Flecken Schlick gerne. Die wenigen Einwohner der Küste erhoben zwar schwache Gegenwehr, aber nachdem die Nordleute einige Höfe dem sandigen Boden gleichgemacht hatten, arrangierte sich der Rest, denn die Nordleute waren angenehme Herren, die Fron und Hörigkeit aus Prinzip verabscheuten. Nach wenigen Jahren war zwischen Eingeborenen und Zuwanderern kein Unterschied mehr zu erkennen.

Felsmünde

siehe auch Herzogtum Felsmünde
Nachdem der Kampf an Dobrans Südgrenze mehrere hundert Jahren lang ausgewogen gewesen war, nahmen die Erfolge der Orks um das Jahr 879 wieder zu. Die Dobraner sahen sich nicht länger im Stande, dem Ansturm allein entgegen zu treten, und sannen auf einen Ausweg. Sie fanden ihn im Südosten – in Felsmünde. Auch wenn Felsmünde schon damals dünn mit Menschen besiedelt war, hatten die Zwerge doch immer recht zurückgezogen gelebt. Nun schickte Herzog Dietrich von Dobran seinen Herold nach Eisenhimmel, um mit dem Bergkönig der Zwerge zu verhandeln. Bis jetzt hatten die wenigsten Orks den Schritt ins Gebirge gewagt, denn die Weite macht ihnen Angst. Nach zähen Verhandlungen ließen sich die Zwerge überzeugen und griffen die Orks von der westlichen Flanke aus an, was den Dobranern ermöglichte, Ausfälle tief ins Herz des Feindeslands zu unternehmen. Dabei zerstörten sie viele Siedlungen der Orks, was diese so stark schwächte, dass für viele Jahre der Gleichstand an der Grenze gesichert war.
In Ihrer Not flohen doch einige Geschöpfe des Fünfgeschwänzten in die Felsmünder Berge, so dass die Zwerge froh waren, als viele Dobraner von ihren Pferden abstiegen und die Verfolgung aufnahmen. Gemeinsam erschlugen sie das lichtscheue Gesindel, und zusammengeschmiedet durch dieses Band, nahm der Bergkönig gerne das Angebot Herzog Dietrichs an, für alle Zeiten Verbündeter Dobrans zu werden. Als Gegenleistung dürfen die Zwerge bis heute all ihre Waren zollfrei nach Dobran einführen und sie in allen Häfen Siebenhafens kostenlos stapeln und einschiffen.

Selachi

siehe auch Herzogtum Selachi
Herzog Dietrichs Sohn Eberhard von Dobran sah sich allmählich einem so stark erhöhten Handelsverkehr über See gegenüber, dass die Kauffahrer Dobrans alleine dem gestiegenen Bedarf nicht mehr Herr wurden. Doch wie sein Vater vor ihm schon die Orks durch kluge Bündnispolitik besiegt hatte, wusste Eberhard auch diesem Problem zu begegnen. Er verheiratete seine Tocher Petrissa an den Kapitän Johann von Selachi, dem eine große Zahl Schiffe sowie die Stadt Port Selachi gehörte, und der von vielen Zweifaltigen als der Führer ihres Landes angesehen wurde. Dietrich verlieh Johann den Stand eines Reichsgrafen, und setzte mit ihm und anderen Großgrundbesitzern Verträge auf, die es ihm ermöglichten, Selachi neu als Reichsgrafschaft unter dobranischer Hoheit zu organisieren. Seit Unterzeichnung des letzten Vertrages ihm Jahre 931 gehört Selachi somit, zunächst noch als Grafschaft, zum Reich derer von Dobran. Die Sage geht, er habe den Vertrag auf dem Totenbett unterzeichnet, doch in der Tat starb Eberhard erst ein Jahr später, 932.
Sollte auch eigentlich Petrissa nun als Herzogin von Dobran die Geschicke des wachsenden Reiches lenken, so kann man doch davon ausgehen, das Johann in Wahrheit hinter dem Thron die Fäden zog. So ist es nämlich auch leicht erklärlich, dass sich der Seefahrer von den Nordleuten im Westen bedroht sah und gegen sie in den Krieg zog, kaum dass sein Schwiegervater tot und begraben war.

Nordmannkriege

Der Krieg gegen die Nordleute nun sollte ein fruchtloses Unterfangen werden, denn da viele der besten Ritter im Süden gegen die Orks fochten, konnte Johann nie die gebündelte Macht Dobrans gegen die Südfester einsetzen. Die Zwerge kamen ihm nicht zu Hilfe, offiziell, weil der Kampf gegen andere Feinde als die Orks nicht in den Bündnisabkommen stand, viele munkeln jedoch, dass sich die Zwerge in den feuchten Gebieten Südfestes nicht wohl fühlten, in denen man nie weiß, ob man noch auf Festland oder doch schon in schlickigem Watt steht, wo einen das Meer bald holt. So kam es jedenfalls, dass die Nordleute manche Schlacht verloren, viele jedoch auch ohne einen klaren Sieger ausgingen und manches Mal die Südfester den stolzen Rittern Dobrans empfindliche Niederlagen beibrachten. Auch die Flotten Johanns konnten den wild kämpfenden Südfester Seeleuten keinen klaren Vorteil abringen.
So zog sich der Feldzug über acht Jahre hin, und hätte Johann die Dobraner Ritter nicht immer wieder mit dem Hinweis auf den Unglauben der Südfester – diese beteten 19 Götzen an, die sie aus Ihrer Heimat mitgebracht hatten – aufstacheln können, so wären diese schon viel früher an Ihre Stellungen im Süden zurückgekehrt. Johann jedoch wollte sich neben der Seeherrschaft auch das fruchtbare Marschland Südfestes sichern, denn die Nordleute hatten aus ihrer Heimat die Kunst mitgebracht, aus Meer Land zu machen. Und dieses Land war von einem immerwährenden, saftigen Grün, niemals zu trocken, manchmal zu feucht, so dass einem jeden Bauern die Augen übergingen und auf den Wiesen der Nordleute die fettesten Kühe standen.

Südfeste

siehe auch Herzogtum Südfeste
Ein erneutes Erstarken der Orks im Jahre 947 führte zu einer großen Offensive von Zwergen und Menschen, woraufhin – wie schon 70 Jahre zuvor – die Angriffe der Orks für einige Zeit nachließen. Nachdem sie sich nun umso mehr vor den Bergen fürchteten, flohen einige Orks durch die Lücke zwischen zwergischer und menschlicher Front, passierten im tiefsten Winter den zugefrorenen Felsensee und griffen Südfester Dörfer an. Die Nordleute, überrascht von diesem neuen Gegner, hatten ihre liebe Mühe, die Orks zurückzuschlagen. Auch wenn sie es nach vielen Tagen des Kampfes in Eis und Schnee schließlich schafften, die Finsterlinge zu überwinden, saß ihnen der Schrecken doch tief in den Gliedern.
Im nächsten Frühling beriet die Versammlung der Häuptlinge und Kapitäne über die neue Situation. Dem Meer, den Dobranern und den Orks gleichzeitig zu trotzen, dafür besaßen sie nicht die Kraft. So wählte der Thing eine Gesandtschaft ihrer wortgewandtesten Häuptlinge und Weisen, die sich auf den Weg nach Dobran machten. Dort wurden Sie von Herzogin Petrissa empfangen, denn Johann war in den Orkkriegen verwundet worden und noch auf dem Heimweg gestorben. Petrissa hörte sich das Anliegen der Südfester an, und unter dem Eindruck, den die Nordleute in den Kämpfen mit den Dobranern gemacht hatten, nahm sie Südfeste schließlich in den Schutz Dobrans auf. Für den Außenstehenden mögen die Bedingungen dabei sehr zugunsten der Südfester gestellt sein: Sie bestanden darauf, für alle Zeit vom Zehnt, von allen Steuern, vom Fron und selbst vom Kriegsdienst befreit zu sein. Als Gegenleistung sollten sie die Küste vor dem Meer und vor den lebendigen Feinden Dobrans schützen. Man muss jedoch bedenken, dass Petrissa selbst auf einer Forderung bestand, welche die freien Nordleute große Überwindung kostete: Sie mussten sich alle zu Rotisten salben lassen, und verpflichteten sich durch erblichen Eid, niemals einer Kirche oder einem Priester der rotistischen Zweifaltigkeit zu schaden. Noch immer jedoch spürt man den Nachhall der nordischen Götzenverehrung, trotz der 160 Jahre, die mittlerweile vergangen sind.

Trutzburg

siehe auch Herzogtum Trutzburg
Dobran hatte nun schon fast die Größe des heutigen Siebenhafen erreicht. Dies blieb den Magiern Trustburgs nicht lange verborgen. Sie hatten sich bisher nicht um die Politik des Ritterstaats gekümmert, denn ihre Magie hatte die Orks in Schach gehalten, wie ihre Selbstgefälligkeit sie einen leichtsinnigen Umgang mit dem Rotistentum halten ließ. Nun gedachten sie aber, ihre Interessen im Lande zu schützen, und sandten im Jahre 903 eine Delegation nach Dobran, um dem Enkel Petrissas, Sigismund von Dobran, auch der Starke genannt, ihren Eintritt ins Reich Dobrans anzutragen. Sigismund war in politischen Dingen hin und wieder etwas kurzsichtig, und so nahm er Trutzburg in sein Reich auf, ohne die Absichten der Magier zu hinterfragen oder gar Bedingungen zu stellen. Eine einzige Klausel fügte er dem Bündnis hinzu: Ein von Dobran gestellter Graf sollte Trutzburg regieren. Er übersah dabei jedoch, dass die Magier diesen Grafen selbst aussuchen durften. Und so entschieden sich die Magier für einen guten Freund des Herzogs, Stefan I. von Ockholz. Der Herzog war entzückt, seinen Freund auf diesem Posten zu sehen, jedoch waren die beiden sicherlich nicht zuletzt aufgrund ihrer Schlichtheit im Gemüte so gute Freunde. Stefan I. war von Beginn an eher eine Marionette auf dem Thron Trutzburgs, und seine Nachkommen überflügelten ihren Ahnherrn nicht im Geiste. Doch erst durch den vor zwei Jahren ausgeführten Handstreich gegen Stefan IV, den Herrn der Trutzburg, konnten sie die Kontrolle voll und ganz an sich reißen.
Mit der Übernahme der Trutzburg, damals ein verlassenes Gemäuer aus uralten Zeiten an der Grenze zu Nebelheim, im Jahre 1005 kam so auch Trutzburg ins Reich der Dobraner.

Schwur auf dem Himmelsberg

Schon nach wenigen Monaten machte Stefan I. einen Vorschlag, der sicherlich von den Magiern initiiert war, aber bei den anderen Völkern unter der Kontrolle der Dobraner auf reges Interesse stieß. Zu der Zeit war Dobran das zentrale Herzogtum, die anderen Landstriche nur mehr bessere Lehen. Diesen Zustand wollten sie nun beenden. Sigismund konnte genügend politischen Verstand zusammen raffen, um zu erkennen, dass dieses Ansinnen Dobran nur schaden konnte. Dann jedoch beging er den folgenschweren Fehler und begann, gegen alle zugleich Krieg zu führen. So musste er sich schon nach einem Sommer geschlagen geben und wurde in einem sinnlosen Versuch, mit nur einem Dutzend Rittern ein gut befestigtes Dorf in Südfeste anzugreifen, getötet. Sein Sohn Georg, gerade erst dem Knabenalter entwachsen, schaffte es, so viel militärische Stärke zu vermitteln, dass sich die Herrscher der anderen Landesteile zu seinen Bedingungen auf dem herzoglichen Kastell Himmelsberg versammelten. Dort empfing er sie mit allem höfischen Staat, den er aufbieten konnte, und ließ sie ohne lange Verhandlungen gleich am ersten Abend den Schwur auf dem Himmelsberg ablegen, der Siebenhafen begründete.
In diesem Schwur wurden alle Landesteile zu Herzogtümern erklärt und Dobran gleichgestellt, kein Herzogtum sollte über das andere herrschen. Ein gemeinsamer Fürst sollte das Reich einen, ihm sollten die Herzogtümer ihre Treue schwören. Als Herzogssitz, den natürlich alle Herzogtümer für sich beanspruchten, wurde die Stadt der Sieben Türme ausgewählt, eine freie und mächtige Handelsstadt im Herzen Dobrans, die mit allen Privilegien der Reichsunmittelbarkeit ausgestattet wurde. Erster Fürst sollte Herzog Georg werden, der die Herzogswürde Dobrans seinem Waffenmeister Kunibert übertrug. Da Dobran nur eines der gleichgestellten Herzogtümer sein sollte, brauchte man einen neuen Namen. Am vierten November 1005 entstand so Siebenhafen.

Elbenkriege

siehe auch Herzogtum Einhornwald
Jedoch, zum Siebenhafen, wie wir es heute kennen, fehlte noch einiges. Fürst Georg erkannte, dass zwischen Selachi und Trutzburg Einhornwald als nur schwer zu überwindende Barriere lag. An eine baldige Befriedung Nebelheims war nicht zu denken, und so griff er mit aller Macht Einhornwald an. In seinen Augen handelte es sich dabei um einen von halb wilden, rückständigen Elfen bewohnten Urwald, der mit Feuer und Schwert in wenigen Wochen zu erobern sein sollte. Jedoch, die Elfen, die kaum jemand wirklich kannte, machten sich den Wald und ihre jahrtausendealte Magie zunutze und schlugen die Eisernen, die Georg aufgeboten hatte, grausam zurück. Über viele Jahre tobte ein wilder Krieg unter dem stillen Laubdach des Einhornwalds, viele gute, junge Ritter verloren ihr Leben. Ritten sie auf hohem Ross in das grüne Dunkel des Waldes hinein, so wurden sie wenige Tage später von ihren Pferden, mit einem Bein an den Sattelgurt gebunden, tot wieder hinausgeschleift, ohne dass Geräusche eines Kampfes über den Waldrand hinaus gedrungen wären. Diejenigen, die den Wald sahen und überlebten, wurden beinahe wahnsinnig und waren schon durch Blätterrascheln im Klostergarten in Panik zu versetzen.
Georgs Bemühungen wurde schließlich durch die große Orkoffensive von 1012 ein Ende bereitet. Diesmal drangen die Orks fast bis an die Stadt der Sieben Türme vor, und nur den vereinten Bemühungen der Zwerge aus Felsmünde, Ritter aus Dobran und Magier und Söldner aus Trutzburg gelang es, die Orks wieder in ihre Schranken zu weisen. Von seinen Misserfolgen umgetrieben, starb Georg schließlich einsam auf einem Turm an der Küste Dobrans.
Seine Tochter, Edeltraut, Fürstin der Sieben Türme, setzte die Bemühungen ihres Vaters mit großem Eifer fort. Stets war sie in den Lagern am Waldrand zu finden, ihr Sohn Karolus wurde in einem Zelt geboren. Um nicht durch das Kind behindert zu werden, schickte sie ihn mit einer Amme an den Hof in der Stadt der Sieben Türme, wo er umhegt von Geistlichen und Gelehrten quasi ohne seine Mutter aufwuchs. Die trieb so lange den Krieg gegen die Elfen weiter fort, ebenso leidenschaftlich, aber erheblich einfallsreicher als ihr Vater. Wo der Wald natürlichem Feuer nicht weichen wollte, bat sie die Magier Trutzburgs zur Hilfe, und wo der Weg zu steinig und verschlungen für die Ritter war, setzte sie grimmige Zwerge ein. Diese erzielten auch erhebliche Erfolge gegen den Wald wie gegen seine Bewohner, und niemand weiß ganz genau, ob die Abneigung der beiden Völker gegeneinander daraus entstand oder doch schon vorher existierte.

Einhornwald & die Erste Wanderung in den Wald

Edeltraut starb früh auf den Schlachtfeldern, und Carolus übernahm schon im Alter von 13 Jahren die Regierungsgeschäfte. Er ließ den Krieg gegen die Elfen einstellen, da er erkannt hatte, wie stark dieser die Ressourcen seines Fürstentums beanspruchte. Jedoch sollte es noch 4 Jahre dauern, bis er seine berühmte Wanderung in den Wald aufnahm. Er stahl sich heimlich vom Hofe davon und legte die Strecke bis Einhornwald zu Fuß als einfacher Wanderer zurück. Man erzählt sich, er habe mehrere Tage vor dem Eingang zum Wald ausgeharrt, bitterlich geweint ob der Zerstörungen des Krieges, liebevoll junge Pflänzchen gehegt und Samen in der Erde versenkt. Es wird ebenfalls berichtet, dass er sich nach mehreren Wochen nackt und allein aufmachte, um die Elfenkönigin zu suchen. Niemand außer ihm weiß, was genau im Wald passiert ist, und er hat es mit ins Grab genommen. Sicher ist nur, dass er kinderlos im hohen Alter starb, weil keine Frau der Schönheit der Elbenkönigin gleich kam. Seine Frau hielt ihn nach über einem halben Jahr der Abwesenheit für tot. In Ihrer Trauer wandte sie sich ihrem persönlichen Bibliothekar zu. Als Karolus heim kehrte, war sie mit Ulrich, dem Vater unseres heutigen Fürsten Borwin schwanger. Karolus nahm Ulrich an Kindes Statt an, nachdem ihm seine Frau unter Tränen gebeichtet hatte.
Im Jahre 1055 starb Ulrich bei einem Jagdunfall. Sein Vater trug ihn voller Trauer zu Grabe. Ulrich sollte seinen Sohn, Borwin, den seine Mutter Clara bereits unter dem Herzen trug, niemals zu Gesicht bekommen. Karolus kümmerte sich liebevoll um seine Schwiegertochter und seinen Enkel, vor allem, nachdem seine Frau das Zeitliche gesegnet hatte.

Nebelheim & der große Orkfeldzug

siehe auch Herzogtum Nebelheim
Das Jahr 1068 sollte noch einmal eine schwere Prüfung für den friedliebenden Karolus bereit halten. Die Dobraner hatten seit einigen Jahren stetig nachlassende Kämpfe an der Grenze zu den wilden Landen bemerkt. Sie hatten einige Kundschaftermissionen, oft unterstützt von Mittagsmännern aus Einhornwald, über die Grenze geschickt, und dabei festgestellt, dass ein breiter Streifen südlich der Grenze bis auf einige Kriegerlager quasi orkleer war. Selbst südlich dieses Streifens schienen die Orks nicht so aktiv wie sonst. Die Dobraner beknieten ihren Fürsten, eine Offensive starten zu dürfen, und erst nach einigen Wochen der Beratung gab Karolus diesem Ansinnen nach, da er die günstige Gelegenheit, eine dauerhafte Entspannung zu erreichen, erkannt hatte. So schlossen sich unter Führung der Dobraner Zwerge, Magier, Waldläufer, ja selbst Seefahrer und Südfester zu einer Armee nie da gewesener Größe zusammen. So stießen sie viele Meilen in die wilden Lande vor und schufen eine neue Front mehr als 50 Meilen jenseits der alten. Erstmals hatte Dobran wieder seine einstige Größe erreicht, und sogar noch ein wenig mehr. Karolus wollte jedoch ein Erstarken der Dobraner Ritter verhindern und zog an der alten Frontlinie eine Grenze. Das eroberte Gebiet, und zusätzlich das noch wilde Land bis zu den Südgrenzen von Felsmünde und Trutzburg, erhielt den Namen Nebelheim. Herzog wurde Hautpmann Gernot, dessen Fähnlein in einem heldenhaften Unternehmen die Flagge mit dem roten Greifen auf dem Rattenkopf, einem schwer umkämpften Berg über einhundert Meilen südlich der Grenze, aufgepflanzt und damit das bisher südlichste Vordringen von Zweifaltigen in die wilden Lande markiert hatte.
Mit dem Versprechen von Steuerfreiheit und geschenktem Grund und Boden lockte Karolus einen Strom von Siedlern in das neu gewonnene Land, welche die Zivilisation wieder in das wilde Land tragen sollten. Sie führen seitdem ein Leben voller Entbehrungen, denn die Front ist brüchig und lässt immer wieder Orktruppen hindurch.

Die Zweite Wanderung in den Wald

Im Jahre 1077, als Borwin das achtzehnte Lebensjahr vollendete, dankte Karolus ab und überließ seinem Enkel die Regierungsgewalt. 1098, im seligen Alter von 77 Jahren, machte sich Karolus ein zweites Mal zu Fuß und alleine auf die Wanderschaft. Seitdem bleibt er verschollen, und während einige davon ausgehen, dass er mittlerweile tot und irgendwo namenlos begraben ist, verbringt er wahrscheinlich er seinen Lebensabend bei den Elben Einhornwalds. Eines Tages, dann, wenn die Not Siebenhafens am größten ist, wird er den Wald ein letztes Mal verlassen, um uns alle zu retten.

Siebenhafens jüngste Geschichte

Seit 1069 besteht Siebenhafen in seinen heutigen Grenzen. Borwin gründete die Universität der Sieben Türme und trat auch sonst ganz in die friedlichen und auf Wissenszuwachs ausgerichteten Fußstapfen seines Großvaters. Im Jahre 1082 schenkte ihm seine Frau Lukarda ihre Tochter Isolde, starb aber leider noch im Kindbett. Der Klerus, allen voran Praesul Nepomuk, versucht seitdem, Fürst Borwin erneut zu verheiraten, jedoch hat dieser sich bisher standhaft geweigert. Isolde wuchs in behüteten Verhältnissen auf, welche eine unrühmliche Episode, in der ein Vampir eine Rolle spielte, jedoch leider nicht verhindern konnten. Erst am Tage ihrer Hochzeit mit Wulfrik Müller, nun Erbfürst der Sieben Türme, konnte ihr diese Krankheit ausgetrieben werden. Seit diesem Tag im Jahre 1102 leben die beiden glücklich am Hofe Borwins. Einziger Schatten über ihrer Ehe ist die Totgeburt ihres ersten Kindes, das unbenamt und ungesalbt im Wald verscharrt wurde. Bis heute kennt niemand die genauen Hintergründe dieser Angelegenheit, fest steht nur, dass sie trotz bester Vorzeichen bis heute nicht wieder schwanger geworden ist. Nichtsdestotrotz übernehmen sie und ihr Mann immer öfter die Regierungsgeschäfte, wenn Borwin auf einer Forschungsreise ist oder an seinem Sommersitz in Himmelsberg weilt.

Herzog Stefan IV. von Alt Trutzburg wollte im Jahre 1106 die Zukunft des Herzogtums mit dem Magierrat an einem neutralen Ort besprechen. Man wählte hierzu das abgelegene Gut von Graf Thaddäus von Friedland. Doch in der Delegation der Magier versteckte sich der sinistre Bösewicht Malthasar, welcher mit Hilfe magisch erschaffener Golems die Gäste Thaddäus und die Delegation angriff. Dabei starb der alternde Herzog in Thaddäus Armen ohne einen Erben zu hinterlassen. Malthasar konnte gestellt werden, doch Trutzburg war führungslos und so übernahm der Magierrat die Amtsgeschäfte.

Während Fürst Borwin sich mit seinem Hof und einer bunt zusammen gewürfelten Gruppe von Gästen in Mythodea befand, überraschte der Fürst sein Volk und seine Berater mit einer ebenso spontanen wie ungenehmigten Hochzeit. Die glückliche Braut war die Kammerfrau Margarethe von Tribsees. Der Volksmund sagt den beiden schon lange mehr als nur die übliche Hofminne nach, und in der Tat erkannte Borwin unmittelbar nach der Hochzeit die beiden Söhne der Margarethe, deren Vater bislang unbekannt war, als die seinen an. Der Hof und vor allem die kirchlichen Berater des Fürsten reagierten schockiert, waren aber gegenüber einer heiligen Salbung machtlos. Der Fürst jedenfalls ist glücklich, und ein glücklicher Fürst bedeutet in der Regel ein glückliches Volk.

Der 36. Herzogstag wurde einberufen, um über die Nachfolge Herzog Stefans IV., der drei Jahre zuvor umgekommen war, zu entscheiden. In den Wirren nach dem Tode Stefans hatte der Magierrat sich zum Regierungsorgan proklamiert. Neueste Erkenntnisse legten jedoch nahe, dass Thaddäus von Friedland ein unehelicher Sohn Stefans und somit ein möglicher Erbe für den Trutzburger Thron sein könnte. Nach leidenschaftlichen Reden und anderen turbulenten Ereignissen wurde Thaddäus schließlich mit 8 von 9 Stimmen zum neuen Herzog Trutzburgs gewählt und noch am selben Abend vom Praesul in sein Amt eingeführt.

Die Elfen hatten um Hilfe gerufen um einem unnatürlichen Übel im einhornwald Herr zu werden. Die angerückten Helden berseitigten das Übel und erhielten im Namen der Elfenkönigin ein Stück des Waldes zum Geschenk. Der amtierenden Truchsess Einhornwalds und fürstlichen Truppen, welche anwesend waren brachten diese Kunde zum Fürsten, welcher diese Angelegenheit auf dem 37. Herzogstag zu besprechen gedachte. Nachdem der Wald zunächst wieder einhornwald zugesprochen, jedoch unter fürstliche Obhut gestellt wurde, verlangte der Truchsess Lucius von Weinstein den Thron Einhornwalds als Herzog. Einige hitzige Worte später hatte Lucius den Herzogstag verlassen und der Fürst eine Handelsblockade um Einhornwald errichten lassen. Diese wurden von Truppen des Fürsten und der Herbergsritter zu Lande und von der Bündischen Marine sowie einem magischen Seelschleier zu Wasser realisiert.

Der Seeschleier konnte durch eine gewagte Seefahrt überwunden werden. Die Blockadebrecher verhandelten lange mit Herrn von Weinstein, bis dieser zu Gesprächen mit dem Fürsten bereit war. Niemand weiß, was wirklich zwischen Fürst und Herrn von Weinstein besprochen wurde. Nach den Gesprächen jedoch war Lucius von Weinstein neuer Herzog des Einhornwaldes und versprochener Verlobter der jüngeren Tochter von Natascha von Selachi.