Bündische Marine

Die Flagge der bündischen Marine Die Bündische Marine ist der militärische Arm des Städtebundes zur See.

Sie wurde im Jahre 950 gegründet, als die Anzahl der Schiffe, die ihren Zielhafen nicht erreichten, überhand nahm. Die Händler des Bundes kauften eine Anzahl kleinerer Schiffe, schufen eine gemeinsame Heuerkasse und warben Offiziere und Seeleute an.

Der Städtebund hat die Marine gegründet und finanziert sie immer noch, um der Piraterie und Strandräuberei Einhalt zu gebieten. Daher befahren die Schiffe der Marine die Küstengewässer und kontrollieren die vielbefahrenen Handelsrouten. Wenn ein Ort von der Admiralität zum Piratennest erklärt wird, blockiert die Flotte den Hafen des Ortes, oder ein Landungstrupp geht an Land, um die Piraten in ihren Häusern aufzuspüren.
Der Kampf gegen die Piraterie wird von den Seeleuten der Marine nicht immer durch schiere Anzahl gewonnen. Die Schiffe sind eher klein. Das größte ist die „Erbfürst“ mit 42 Kanonen oder 600 Tonnen. Die Marine führt als ihre Waffen vor allem die überlegene Disziplin und Ausbildung ihrer Besatzungen ins Feld. Natürlich gibt die Admiralität viel Geld für die neueste Technik aus: Die Kupferbeplattung ihrer Schiffe zum Beispiel, oder die berühmten weittragenden langen Glattrohrkanonen. Die Geschwindigkeit aber, mit der die Marine-Besatzungen ihre Manöver ausführen, und die Standhaftigkeit, mit der sie auch schweres Feuer und große Verluste ertragen, haben der Marine schon viele Siege gesichert.

Der Städtebund war und ist ein Verein von Kaufleuten, und hatte bei der Gründung der Marine vor allem wirtschaftliche Interessen. Erfahrene Seeleute erreichten jedoch auch eine militärisch-effektive Aufstellung. Daher besteht die oberste Leitung der Marine aus zwei Bereichen:

  • Die Admiralität besteht aus sieben Admiralen, ursprünglich aus jeder der sieben Grundungstädte des Bundes einer. Diese Aufteilung gilt auf dem Papier noch immer, wird jedoch in den seltensten Fällen eingehalten. Die Admiralität führt die Marine in allen militärischen und seemännischen Belangen.
  • Das Marinebüro hat die Gewalt über das Budget der Marine. Es verwaltet die Heuer der Seeleute und den Sold der Offiziere, überwacht die Zuteilung von Material und Vorräten, und kontrolliert den Ankauf bzw. Neubau von Schiffen. Die beiden großen Marinewerften in der Stadt der Sieben Türme und in Port Selachi sind eigene Betriebe des Marineamtes. Das Marinebüro macht das Leben der Kapitäne und Seeleute nicht immer einfacher, und viele fluchen auf die Einschränkungen, die ihrem seemännischen und militärischen Ehrgeiz durch die Talerzähler auferlegt werden.

Bei ihrem Eintritt in die Marine erhalten alle Neulinge, egal ob Offizier oder Landmann, ein Seefahrtsbuch, in dem ihre Vorgesetzten Anmerkungen über das Verhalten des Seemanns machen, die Reisen und Schiffe, die der Seemann befahren hat, notiert werden, und das ein nützliches Handbuch inkl. der gebräuchlichsten Shanty-Texte enthält. Das Seefahrtsbuch ist auch die Grundlage für die Heuer und ggf. die Auszahlung von Pensionen an Land.

An Bord richtet sich das Leben nach drei Grundlagen:

  • Den Anweisungen, Richtlinien und Vorschriften des Marinebüros
  • Dem seemännischen Brauch

Junger Kapitän Zu Beginn der bündischen Marine wurden die Offizierspatente von der Admiralität aufgrund von Empfehlungen, verwandtschaftlichen oder sonstigen Verpflichtungen oder schlicht die Zahlung einer stattlichen Summe an die Söhne und Töchter einflussreicher, meist adeliger Familien vergeben. Dies führte dazu, dass die Marine- und Schiffsführung in den Händen von Offizieren lag, die am liebsten nie einen Fuss an Bord eines Schiffes gesetzt hätten. Erst der Untergang der „Wappen von Dobran“, der auf grobes Versagen der Offiziere an Bord zurückzuführen war, und bei dem fast dreihundert Seeleute den Tod fanden, änderte diese Praxis.
Jetzt treten angehende Offiziere als Fähnriche in den Dienst, und dies meist schon mit 12 - 14 Jahren. Nach frühestens sechs Jahren können sie sich zur Leutnantsprüfung melden, und werden nach dem Bestehen der Prüfung Leutnante. Die Beförderung zum Kapitän erfordert nach wie vor Beziehungen, ist dieser Schritt aber einmal geschafft, muss man nur lang genug leben, um irgendwann Admiral zu werden.


Bootsmann Die Unteroffiziere steigen aus den Rängen der Mannschaften auf. Wer sich bewährt, kann zunächst als Maat (Gehilfe) eines Unteroffiziers dienen, und von dort zu einem der zahlreichen Unteroffiziere eines bündischen Schiffes werden: Bootsmann, Erster Steuermann, Segelmeister, Zimmermann, Wachtmeister, Waffen- oder Pulvermeister etc. Sie sind, anders als die Offiziere, meist dauerhaft einem bestimmten Schiff zugeordnet, das sie wie ihre Westentasche kennen.


Bündischer Seemann Einige Mannschaftsmitglieder dienen freiwillig in der Marine. Es ist eine gute Möglichkeit, der Armut, dem Arm des Gesetzes, einem eifersüchtigen Ehemann oder einer wildgewordenen Ehefrau zu entkommen. Das Leben ist gefährlich, aber Kost und Logis sind umsonst, und man hat Anrecht auf die festgesetzte Heuer und eine Chance auf Prisengeld.
Die weitaus meisten Mannschaftsmitglieder haben ihren ersten Schritt an Bord jedoch unfreiwillig getan. Bei Gründung der Marine wurde festgelegt, dass jede Stadt im Bund den gleichen Anteil an Mannschaften zu stellen hatte. Mit diesen Quoten entwickelte sich ein schwunghafter Handel. Ich erlasse dir den Zoll auf Pelze, dafür treibst Du dieses Jahr die 120 Männer und Frauen auf, die zum Tag der Heiligen Barbara im Hafen bereit stehen müssen.
Diese Quoten konnten in der gesamten Geschichte der Marine noch nie allein durch Freiwillige gedeckt werden. Daher warten in den Hafenstädten Siebenhafens in den Wochen vor St. Barbara die Presskommandos der bündischen Schiffe auf Unglückliche. Das sind junge, kräftige Männer und Frauen, die „Erfahrung in der Seefahrt“ besitzen. Als „Erfahrung in der Seefahrt“ zählen zuweiligen bisweilien einige Fischschuppen vom Markt auf der Jacke oder ein Backenbart, nach Seemannsart gestutzt. Meist trifft es in der Tat Seeleute der Handelsmarinen, Fischer und Fährleute, doch wenn die Quoten kurz vor St. Barbara immer noch schlecht sind, muss man die Hafenstädte meiden, wenn man sich nicht als adelig, gutbürgerlich, im Stande eines Handwerkslehrlings oder als vom Herzog freigestellt ausweisen kann.
Die Mannschaften werden für ein bestimmtes Schiff zusammengestellt. Sie dürfen erst wieder an Land, wenn ihr Schiff außer Dienst gestellt wird. In fremden Häfen wird ihnen auch zwischendurch ein Landgang gestattet, doch ist die Gefahr von Desertionen so hoch, dass die Kapitäne damit sehr vorsichtig umgehen. Und häufig wird ein Seemann, kaum dass er nach Außerdienststellung seines Schiffes einen Fuß an Land gesetzt hat, gleich für das nächste Schiff gepresst.
Der größte Teil der Mannschaften besteht aus Selachen. Auch wenn Selachi eigentlich nur den selben Anteil an Männern und Frauen zu stellen hat wie die anderen Bundesmitglieder, gelingt es ihnen doch immer, sehr viele Leute mit „Erfahrungen in der Seefahrt“ oder sogar Freiwillige aufzutreiben. Natascha von Selachi weiß dies im Quotenhandel zu nutzen. Wenn sie erst einmal an Bord sind, sind Selachen auch meist diejenigen, die wegen ihrer Affinität zur See am längsten überleben bzw. sich am schnellsten ans Bordleben in der bündischen Marine gewöhnen.
Die Heuer, also die Entlohnung, richtet sich nach den Fähigkeiten des Seemanns. Diese werden vom vorgesetzten Offizier, meist dem Ersten Leutnant, eingeschätzt und im Seefahrtsbuch festgehalten. Wer noch nie zur See gefahren ist, gilt als Landmann, denen die einfachsten Tätigkeiten zugewiesen werden - in erster Linie schwere körperliche Arbeit. Nach einiger Zeit können die meisten sich zum Leichtmatrosen qualifizieren, die Grundkenntnisse im Knoten und Spleißen vorweisen und auch unter schwierigen Bedingungen in Sturm und Schlacht noch ihren Aufgaben nachkommen können. Die höchste Stufe auf der Heuerleiter nehmen die Vollmatrosen ein, die i.d.R. mehrere Jahre zur See gefahren sind, sich in den Masten sicher bewegen, reffen und steuern können.
Wer darüber hinaus kommen möchte, hat nur eine Chance als Maat der Unteroffiziere. Um einen dieser dünn gesäten, begehrten Posten zu ergattern, zählen seemännisches Können jedoch höchstens genau so viel wie die Fähigkeit, lesen und schreiben zu können, ein möglichst dünnes Strafenregister und Nüchternheit.

Die bündische Marine wurde ins Leben gerufen, um denen, die bei Seefahrt nicht an Piraten á la Jack Sparrow, sondern an brave britische Seeleute wie Horatio Hornblower oder Jack Aubrey denken, eine Spielmöglichkeit zu bieten.
Daher ist die bündische Marine im Rahmen des Siebenhafen-Hintergrunds und in den Grenzen des spielbaren an die Royal Navy zur Zeit Napoleons und Nelsons (also kurz vor und nach 1800) angelehnt.
Für Inspirationen empfehlen als Filme die 8-teilige Miniserie um Horatio Hornblower und „Master and Commander“ um Jack Aubrey sowie die Bücher dazu. Der Osprey-Verlag hat einige sehr schöne Sachbücher mit tollen Abbildungen herausgebracht, z.B. „Nelson's Navy“, „Nelson's Officers and Midshipmen“ und „Nelsons's Sailors“.

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  • Zuletzt geändert: 12.07.2020 23:54
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