Glaube und Mythen der Weldriten

Die Weldriten sind Anhänger des Alten Glaubens, wie manche anderen Völker in der Südfeste. Viele Überlieferungen und Riten unterscheiden sich jedoch nicht nur von ihren Nachbarn, sondern sind auch von Stamm zu Stamm verschieden.

Weldriten glauben, wie manche anderen Völker in der Südfeste, an die Neun Götter, jedoch mit stark ausgeprägter Hierarchisierung. So sehen sie Ganska als König aller Götter an und nennen ihn „Kral Ganska“. Neben den Neun Göttern glauben die Weldriten an unzählige Nebengötter, deren Bedeutung sich von Sippe zu Sippe stark unterscheiden kann. Die verehrten Nebengötter haben oft einen Bezug zum jeweiligen Stamm. Sie wohnen in den Flüssen, Seen, Bergen und Wäldern, in deren Nähe der Stamm siedelt, oder werden gar mit diesen Orten gleichgesetzt. Die Opfer an sie sollen sie besänftigen und milde stimmen. Manche Götter sind in der Vergangenheit des Stammes als Riesen, mächtige Tierwesen oder in Form übernatürlicher Phänomene (brennende Bäume, donnernde Stimmen, vereiste Seen im Sommer) in Erscheinung getreten. Solche Begegnungen führten meist zu großem Glück oder großem Leid und sind durch Sagen und Lieder überliefert. Von allen Stämmen wird Weldra verehrt. Sie gilt als Ahnherrin aller Weldriten, die ihr Volk einst in das Land zwischen den Flüssen führte. Vielerorts werden zudem mythische Helden als göttliche Stammesgründer verehrt, so z.B. Radegast bei den Radegastern und Borwin und Borjewna bei den Boranen. Einige dieser Helden trugen den Titel Kral, Radegast etwa, der ein mächtiges Reich beherrschte und große Taten vollbrachte, nachdem er zuvor einen finsteren zaubermächtigen Kral gestürzt hatte. Ähnliche Sagen und Mythen gibt es viele. Auch die Herrscher in Märchen und Geschichten über ferne Großreiche werden Kral genannt.

Weniger machtvoll als Götter, aber für Sterbliche trotzdem bedeutsam sind Geister. Diese sind in der Regel weder gut noch böse, können aber sehr gefährlich werden, wenn man sie erzürnt. Wie leicht ein Geist zu verärgern ist, kann sehr unterschiedlich sein, und es scheint auch böse Geister zu geben, die immer zornig sind, sowie gute Geister, die fast immer wohlgesonnen sind. Geister haben oft eine Auf-gabe, etwa den Schutz eines Ortes oder die Erinnerung an bestimmtes Verhalten. Diesen Auftrag können sie von den Göttern erhalten oder sich selbst gesucht haben. Es gibt unterschiedliche Arten von Geistern. Am häufigsten sind Naturgeister, wie z.B. Wasserfrauen oder beseelte Bäume, und ruhelose Ahnen, die z.B. als Rachegeister umgehen oder als Schutzgeister bestimmte Orte oder Familien behüten.

Die Weldriten verstehen die Hölzernen Hallen eher als ruhige Wälder, in denen die Verstorbenen endlich Frieden vor der Unbill des Lebens haben. Die Hölzernen Hallen sind vom Großen Nebel des Jenseits umgeben, haben jedoch noch eine Verbindung ins Diesseits. Daher kann mit den Verstorbenen Kontakt aufgenommen werden. Dies wird allerdings nur getan, wenn es unbedingt nötig ist, um die Ruhe der Toten nicht zu stören. Durch die Erinnerung an die Verstorbenen kann deren Seele in den Hölzernen Hallen verbleiben. Erst wenn sie vergessen werden, löst sich ihre Seele im Großen Nebel auf, was das Ende ihrer Existenz bedeutet. Da man seinen Vorfahren eine möglichst lange Zeit im Frieden der Hölzernen Hallen wünscht, nimmt das Gedenken an die Ahnen einen großen Platz im Leben der Weldriten ein. Zu bestimmten Feiertagen werden die Ahnen besonders gepriesen, indem die memorierten Ahnenlisten von den Uschoni vorgetragen werden und an die größten Taten der Vor-fahren mit einem Fest erinnert wird.

Große Krieger und Helden werden nach ihrem Tod von den Göttern zu den Bogatyri berufen. Sie erhalten die ehrenvolle Aufgabe, die Verstorbenen in die Hölzernen Hallen zu begleiten, damit sie sich auf dem Weg nicht im Großen Nebel verirren. Der Gesichtsraub ist daher eine besonders schwere Strafe, da die Bogatyri den Toten ohne Gesicht nicht erkennen und nicht mitnehmen. Die Seele des Hingerichteten ist dazu verdammt, völlig machtlos im Diesseits umherzuirren und auf Ewig keine Ruhe zu finden. Ganz selten kommt es vor, dass jemand schon zu Lebzeiten als Bogatyr bezeichnet wird. Dies gilt als größtmögliche Ehre, die bisher nur sehr wenigen Weldriten zuteilwurde.

Die Uschoni sind die spirituellen Führer und Ratgeber der Weldriten. Sie sind weise Frauen und Männer, die ihr Leben den Göttern verschrieben haben. Einige von ihnen fühlen sich im besonderen Maße von einer Gottheit berufen und stellen sich in deren Dienst, andere vertreten alle Götter gleichermaßen. Manche sollen sogar hellseherische Fähigkeiten besitzen. Sie sind Mittler zwischen Ahnen, Geistern und Sterblichen. All dies führt dazu, dass Weldriten vor wichtigen Entscheidungen die Uschoni um Rat bitten, was der Wille der Götter sei oder ob eine geplante Unternehmung irgendwelche Geister oder Ahnen erzürne. Die Uschoni kennen dazu eine Vielzahl an Ritualen. Doch die Uschoni deuten nicht nur den Willen der Unsterblichen, sie versuchen der Gemeinschaft auch in ihrem täglichen Leben zu helfen. Sie wissen um Rituale der Fruchtbarkeit für Frau, Mann, Tier und Feld, Mittel gegen Krankheiten und Gifte, Riten, die die Gemeinschaft stärken, Bannsprüche gegen Geister, Rituale, die den Mut stärken oder gar Krieger in Kampfrausch versetzen, Flüche gegen Feinde und Riten, die die Götter wohlge-sonnen machen.

Die Weldriten kennen heilige Orte, die eine besondere Verbindung zu einer Gottheit besitzen, manchmal auch zu mehreren oder gar allen. Diese Orte können Haine, Klippen, Felsen, Quellen, Grotten oder anderes sein. Sie werden von den Uschoni gehütet und andere Weldriten dürfen sie nur zu besonderen Anlässen und mit Erlaubnis der Uschoni betreten. Ein unbedachter Aufenthalt kann schwere Strafen nach sich ziehen. Für Fremde sind solche Orte grundsätzlich tabu. Sollten sie die heiligen Orte dennoch betreten, werden sie mit dem Tode bestraft und zur Sicherheit meist der Gottheit geopfert, dessen Heiligtum sie besudelten. Daneben gibt es Orte, die auch von den Weldriten gemieden werden. Dies sind Plätze, an denen böse oder gefährliche Geister hausen oder die als Wohnstatt von Riesen, Drachen und Göttern bekannt sind.

Die alltägliche Verehrung der Götter und Ahnen findet hingegen in Tempeln statt. Diese stehen meist im Zentrum der Siedlung oder an einem besonderen Ort, wie auf einer Landzunge oder einer vorgelagerten Insel. Die Tempel sind häufig keine geschlossenen Gebäude. Manche haben kein Dach oder eins, welches aus Stoffbahnen besteht, die man herunterlassen kann. Andere sind mit Vorhängen anstatt Wänden ausgestattet, während das Dach bloß auf hölzernen Pfosten liegt. Eine oder mehrere Holzstandbilder der dort verehrten Götter bilden meist das rituelle Zentrum, aufgestellt in der Mitte des Tempels oder auf einer bestimmten Gebäudeseite. Mitunter kann der Tempel auch um einen alten, heiligen Baum herumgebaut sein. Nicht selten ist die ganze Anlage nach Himmelsrichtungen ausgerichtet. Der wichtigste und größte Tempel der Weldriten steht in Passin, der Kral Ganska und Weldra geweiht ist

  • glaube_und_mythen_der_weldriten.txt
  • Zuletzt geändert: 12.07.2020 23:54
  • (Externe Bearbeitung)