Radschnur

Verschiedene traditionelle Radschnüre Die Radschnur ist eine Gebetshilfe, die viele gläubige Rotisten verwenden. Auf einer Schnur sind Perlen aufgereiht, mit deren Hilfe der Gläubige die korrekte Anzahl und Reihenfolge der Tagesgebete mitzählen kann.

Radschnüre können ganz unterschiedlich aussehen. Die einfachsten bestehen aus einem Faden mit verschiedenen Knoten darin, am weitesten verbreitet sind Schnüre mit Perlen darauf, aus Holz, Glas, Horn, Bein oder edleren Materialien. Auch Ketten mit unterschiedlichen Gliedern oder unterschiedlichen Anhängern sind verbreitet. Zumeist wird die Radschnur um den Gürtel geschlungen und mit den beiden freien Enden herabhängend getragen, zuweilen sind die Enden jedoch auch verknüpft, und die Radschnur wird wie eine Kette um den Hals gelegt.

Die Gebete der Radschnur, die oft auch für sich als „Radschnur“ bezeichnet werden, bestehen aus vier mal vier kurzen Gebeten, sowie einem weiteren Gebet, jeweils ganz zu Beginn und am Ende. Die volle Reihenfolge sieht also so aus:

Praesul Rufus trägt eine prunkvolle Radschnur mit kleinen Glaubenssymbolen aus Zinn

  1. Erster Vierer
  2. Zweiter Vierer
  3. Dritter Vierer
  4. Vierter Vierer

Der Heilige Carolus hat die Idee zur Radschnur, zusammen mit den Texten der Gebete, in einem Fiebertraum von Milena selbst empfangen. Er lag sterbenskrank darnieder, seine Stirne glühte, und Ärzte wie Priester sahen ihn noch in der Nacht sterben. Eine Stunde nach Sonnenuntergang begann er, in Zungen mit jemandem zu reden, den außer ihm niemand sehen konnte. Tief im Delirium riss er seiner Schwester, die bei ihm betete, die Kette vom Halse. Er begann, mit den Fingern auf den Perlen, in der gleichen fremden Zunge zu beten. Immer und immer wieder glitt die Kette durch seine Hände. Wie die Stunden verstrichen, wurde seine Sprache klarer. Seine Schwester, und alle, die mit ihm Zimmer waren, fielen ein, sobald sie etwas verstehen konnten. Als die Sonne aufging, faltete er die Hände mit der Radschnur darinnen auf der Brust und schloss die Augen. Seine Freunde dachten, er wäre tot, doch er schlief nur. Tief und ruhig schlief er durch den Tag und durch die Nacht, und durch noch einen Tag und noch eine Nacht. Und als die Sonne zum zweiten Mal aufging, schlug er die Augen auf und war ganz genesen. Die Gebete jedoch schrieb er nieder, und seither beten die Rotisten wie er mit Hilfe der Radschnur.

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  • Zuletzt geändert: 12.07.2020 23:54
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