gelebter_rotismus

Gelebter Rotismus

Hier habe ich zusammengetragen, wodurch das Leben eines gläubigen Rotisten bestimmt wird und welche Merkmale des Glaubens ihm im täglichen Leben begegnen. Verzeiht die Unordnung, ich trage zusammen, was mir einfällt. Beachtet stets, dass der Glaube, wie er beispielsweise in Dobran gelebt wird, eine völlig andere Gestalt annimmt als in Felsmünde, und doch muss nicht einer schlechter oder besser sein als der andere. Fast jedes Dorf verrichtet unterschiedliche Dinge unterschiedlich.

Das oberste Symbol unseres Glaubens ist das Rad. Es wird dargestellt als ein Kreis mit vier Speichen, welcher auf einem Pfahl sitzt, ganz so wie das Rad, auf dem Sie das Martytium erleiden mußte. Über jedem Altar ist daher das Radkreuz, wie es auch genannt wird, angebracht.
Da Er und Sie zwei sind, obwohl sie eins sind, ist die Zahl Zwei für uns Rotisten von großer Bedeutung. Sie findet sich in vielem wieder, schon unsere zwei Augen, Ohren, Arme und Hände sind Beweis für Ihr und Sein göttliches Wirken. In vielen Kirchen stehen daher z.B. zweiarmige Kerzenleuchter.

Zum Schutz vor dem Bösen, zum Sichtbarmachen unseres Glaubens und bei rituellen Anlässen schlagen wir das Rad. Verwechsele dies nicht mit den Turnübungen der Kinder! Stets mit den ersten beiden Fingern der rechten Hand machen wir einen Kreis vor Stirn und Herz, dem Sitz von Verstand und Leben, der heiligen Zweifaltigkeit.
Einzig Priestern ist es gestattet, das Große Rad mit dem ausgestreckten rechten Arm zu schlagen, um zu segnen oder Seinen und Ihren Schutz auf die Gemeinde herabzubitten.

Ein gläubiger Rotist betet niemals im Stehen oder Sitzen, sondern beugt die Knie, ganz wie ein Knecht vor seinem Herrn. Denn letztlich sind Er und Sie unser aller Herrin. Nachdem er das Rad geschlagen hat, legt er die Hände bittend aneinander und verrichtet das Gebet, welches er auch wieder mit dem Schlagen des Rades beendet. Um die Zweifaltigkeit zu ehren, legt er die ersten beiden Finger mit den Kuppen aneinander, während die restlichen Finger verschränkt sind.
Besonders feierliche Gebete werden im Liegen verrichtet, auf dem Rücken, die Augen zum Himmel, Seinem und Ihrem Wohnsitz.
Hier gibt es mehr über rotistische Gebete zu erfahren.
Viele Rotisten verwenden zum Beten die Radschnur.

Es finden in jedem der zwei Tagesteile - Tag und Nacht - jeweils zwei Gottesdienste statt, jeweils zu Beginn und zur Mitte. Jedoch nehmen in der Regel nur die Frommsten und die Mönche und Nonnen an jedem dieser Gottesdienst teil. Einige besuchen immerhin die Gottesdienste zu Sonnenunter- und Aufgang, und die meisten tun dies nur am Sonntag. Jeder Priester verbringt einen Großteil seiner Zeit damit, seine Gemeinde in die Kirche zu locken.
Die Gottesdienste werden in der alten Hochsprache Latein gehalten. In Alt-Trutzburg jedoch entschied man sich, die Liturgie in der Volkssprache durchzuführen, da immer weniger den Gottesdiensten beiwohnten.

Die Gottesdienste folgen immer demselben Schema:
I. Introitus Während die Gemeinde bereits versammelt ist, begibt sich der Priester vor das Rad. Er steht mit dem Rücken zur Gemeinde und betet still. Dann singt er mit der Gemeinde das Gloria.
Schließlich begrüßt der Priester die Gemeinde: „Dinitatis vobiscum“. Die Gemeinde antwortet: „Et tecum, Pater.“
II. Verkündigung Der Hauptteil des rotistischen Gottesdiensts besteht aus der Verkündigung. Der Priester hält eine Predigt zur Lehre der Gemeinde. Meistens bezieht sich die Predigt auf aktuelle Ereignisse, die mit Hilfe des Liber Rotae kommentiert werden. In diesem Zusammenhang liest der Priester aus dem Heiligen Buch.
Abschließend spricht der Priester mit der Gemeinde das Credo.
III. Die Anwesenheit In diesem Ritual vollzieht die Gemeinde den Kniefall von Milenas Anhängern nach, als Milena nach ihrem Tode zu ihnen sprach. Der Priester spricht die Worte: „Seid gewarnt vor dem Versucher mit den fünf Schwänzen. Hütet Euch vor seiner gespaltenen Zunge. Seht, ich fahre hinauf in Sein Himmelreich. Und nur der wird mir folgen, der in Seinem Sinne lebt und nicht sündigt.“ (Es folgt eine kurze Aufzählung der fünf Sünden.) Die Gemeinde, die dabei das Rad schlägt, und der Priester heben dann ihren Blick gen Himmel und singen die Kyrie. Rota soll bei dem Ritual geistig anwesend sein, wenn ein Quintgesalbter es vollzieht.
IV. Missa und Segen Der Priester segnet die Gemeinde (er schlägt dazu das große Rad) und sendet (mittere→missa) sie hinaus. Der Gottesdienst ist damit beendet.
Mehr zu den rotistischen Liedern findest Du unter rotistische Gebete

Rotisten unterscheiden zwischen drei verschiedenen Fürsorgern. Sie unterscheiden sich von normalen Gläubigen in der Regel durch ihre besondere Art der rotistischen Salbungen. Über ihr Verhalten und Auftreten könnt ihr hier mehr erfahren: Priester, und hier mehr über die Struktur der Kirche.

Ein jeder von uns kann Prediger werden, so er sich dazu berufen und in der Lage fühlt. Prediger haben (meist) keine Ausbildung, noch sind sie gesalbt. Sie ziehen umher und wollend den Zweifaltigen das Liber Rota nahe bringen.

Mönche und Nonnen sind stets Quinta-gesalbt. Sie sind an ihrem Habit, ihrer besondern Kleidung, zu erkennen und leben zumeist in Klöstern und Konventen. Die meisten von ihnen verrichten eher weltliche Arbeiten, wie die Feldarbeit, die Arbeit in der Bibliothek oder die Versorgung der Alten und Kranken. Vielen bleibt kaum Zeit, außerhalb der Gottesdienste Ihn und Sie zu loben, außer durch ihrer Hände Arbeit.
Auch wenn Mönchen und Nonnen keine priesterlichen Rechte haben, sind sie doch verpflichtet, wie diese ohne Weib bzw. Mann zu leben. Im Notfall jedoch, wenn die Zeit drängt und kein Priester erreichbar ist, können Mönche und Nonnen auch deren Aufgaben übernehmen. Dies wird vor allem bei den umherziehenden Wander- und Bettelmönchen der Fall sein, den in den Konventen sind fast immer auch gesalbte Priester anwesend.
Um die Mönche und Nonnen möglichst sicher vor dem Zugriff des Fünfgeschwänzten zu halten, ist ihnen ein asketisches Leben auferlegt, ohne Weib oder Gemahl und ohne Ausschweifungen.

Priester haben die höchste Salbung erfahren, einzig sie besitzen die Fähigkeit, andere zu salben. Sie haben durch die Salbung eine besondere Nähe zu Ihm und Ihr, die ein Normalsterblicher nie erfahren wird. Sie sind zumeist in den Kirchen anzutreffen, jedoch haben auch einige den Ruf als Hof- oder Feldkaplan erhalten. Sie werden meist mit „Mater“ oder „Pater“ angeredet.
Priester sind hoch angesehene Leute, sie haben stets ein Mitspracherecht bei Hof und vor Gericht und stellen zusammen mit den Adeligen die Oberschicht einer Gemeinde. Sie stehen ein wenig abseits der Gerichte, denn nur ein Gericht aus Priestern gleichen oder höheren Ranges darf über sie Recht sprechen, es sei denn, es ist Gefahr im Verzug.
Trotzdem bleibt festzuhalten, dass die Priester, so viele Vorteile sich auch haben mögen, dennoch den strengen Regeln der Kirche unterliegen.

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  • Zuletzt geändert: 31.05.2022 16:50
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