Bruder Columbanus

Columbanus Lieder

Abt Helmold vom Großen Kiel an den ehrenfesten und hochwohlgeborenen Grafen Eberhard von Friedland

Wertester Freund,

vielen Dank für Euren ausführlichen Brief, der mich gestern erreichte. Der Bote, der ihn mir brachte war arg zerzauselt. Der Sturm, der in der letzten Woche durch den Elfenwald ging, hat ihn auf dem Weg geziemlich mitgenommen. Oder er ist einem Elf begegnet, wer weiß das schon in diesen Wäldern.

Ich las mit Bedauern vom Heimgang Eures werten Kaplans Fridolin. Er hat mit seinen 92 Lenzen seine irdische Bestimmung erfüllt, und lasst es mich so sagen, Ihr wisst es selbst, er hat sie mit seinem ganzen Herzen ausgefüllt. Daher lag die Bürde, die Ihr mir mit Euer Bitte auferlegt habt auch schwer auf den Schultern. Einen würdigen Nachfolger für Vater Fridolin mag es nicht geben, jedoch habe ich einen jungen Bruder, von dem ich überzeugt bin, dass er Euch treue Dienste leisten wird. Sein Name ist Columbanus, er zählt 21 Lenzen, ist der Hochsprache und der Liturgie mächtig und er ist erfüllt von der Heiligen Zweifaltigkeit.

Zu Euer Kenntnis: Columbanus stammt aus einer wohlhabenden Handwerkerfamilie dieser Gegend, anderthalb Tagesreisen von Dobran. Als dritter Sohn wurde er zu uns ins Kloster geschickt. Zu Beginn waren wir von seiner Berufung nicht ganz überzeugt, doch mit den Jahren, in denen er in unserer Gemeinschaft zum Manne wurde, zeigte er eine tiefe Demut, viel Klugheit und Geschick im Umgang mit der Feder und dem Wort. Columbanus vertraute mir an, dass er gern auf große Reise gehen wollte, zu den Heiligtümern fahren und so manch Aventur erleben. Mir scheint, Ihr könnt einen solch tatkräftigen und loyalen Bruder brauchen, bei Euch gibt es Aventur in Fülle.

Mein Freund, ich erwarte freudig Eure Antwort. Ich habe für einige Tage nach Dobran zu reiten, doch wenn es Euch gefällt, schicke ich den Bruder zu Euer Vorstellung nach meiner Rückkehr gern nach Friedland. Es würde mir gefallen, ihn auf dieser Reise zu begleiten. So könnte ich auch Euer Angesicht endlich wieder schauen.

Verehrt und ganz der Eure
Helmold

geschrieben manum proprie datum zu Bosaw den dritten Tag nach Herminiae im Jahr Tausend und 99 Jahre


Bruder Columbanus wurde schließlich Kaplan auf dem Gut Friedland, bevor Thaddäus von Friedland, Eberhards Sohn, dort im Jahre 1106 die Tore schließen ließ. Er ist mit ihm nach Nebelheim gegangen, um mildtätige Werke zu verrichten. Im folgenden Jahr geriet Columbanus in einen Flüchtlingszug nach Norden, der hart von mordenden und brandschatzenden Orkverbänden bedrängt wurde. Kurz vor Erreichen der Grenzen des Herzogtums Dobran zeigte sich ihm und einer Gruppe Tapferer, darunter Lars Eisenbeisser eine Erscheinung Milenas an dem Platze, an dem sie auf die Welt kam. Vom Praesul erhielt er die Erlaubnis und die Mittel, an diesem Ort eine Wallfahrtskapelle zu errichten, an der Columbanus noch heute wirkt.

In Anerkennung seines Wirkens am Stein Milenas und seiner weiten Reisen, ständig in Bedrängnis, seinen Glauben auch in höchster Gefahr nicht verlierend, wurde Columbanus anlässlich des 36. Herzogstages von Praesul Rufus I. zum Chorbischof und Verkünder der Botschaft Milenas in den wilden Landen geweiht.

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  • Zuletzt geändert: 12.07.2020 23:54
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