Trutzburger Gewandung

Ach, wie jauchzte mein Schneiderherz, als ich die Grenze zu Trutzburg passierte! Farben, Formen, überbordender Stoff überall! Der Leser verzeihe mir meinen Enthusiasmus, aber die Eintönigkeit Nebelheims hatte mich doch etwas mürbe gemacht.
Sollte ich irgendwann als Schneider am Hofe kein Auskommen mehr haben, so zöge ich als Sticker nach Trutzburg - die Magier verwenden auf ihrer Kleidung reichste Symbolik, und oft von erlesenen Garnen aus Seide und Edelmetall.
Lasst mich aber auch von einem Wermutstropfen berichten. Viele werden sie schon gesehen haben, die Trutzburger Landsknechte, die bunt wie die Paradiesvögel zu ihren Schlachten ziehen. Sie spotten jeder Kleiderordnung! Doch der Rat lässt es geschehen, und wie sollte er auch einen Haufen bewaffneter Spießknechte, die nichts zu verlieren haben, zur Räson bringen?
So bunt, wie die Landsknechte sind, so ärmlich ist doch oft die einfache Bevölkerung gekleidet. Viele klagten mir ihr Leid, dass sie nicht einmal das Geld für einen Flicken hätten.

Aus: „Modische Reise durch unsere Herzogtümer“

Die Magier kleiden sich zumeist in klassische Roben - lange Gewänder von einfachem Schnitt, aber mit viel Stoff und großen Ärmeln. Sehr beliebt ist die Verwendung arkaner Symbole, die reichlich auf die Roben aufgestickt werden. Geschmack spielt bei der Farbauswahl und der Zusammenstellung nicht immer eine Rolle, Prunk- und Geltungssucht dagegen schon. Der klassische Spitzhut ist durchaus vertreten, aber auch allerlei andere Kopfbedeckungen sind denkbar. Schwarz ist ausnahmsweise denkbar, wenn auch am liebsten mit einer kontrastierenden Farbe kombiniert (Schwarze Robe mit roter Stickerei o.ä.).
Manche Magier folgen eher dem Vorbild weltlicher Adeliger, nur um dezente arkane Symbolen erweitert.

Es sind grundsätzlich zwei verschiedene Trends zu beobachten: Junge Männer, gerade wenn sie sich „sportlich“ geben wollen, tragen sehr enge Hosen, die mit einem nicht minder eng sitzenden Wams durch Nesteln verbunden werden. Ältere Exemplare und solche, die sich die Körperbetonung nicht leisten können oder wollen, tragen die „Robe longue“, eine Art Mantel mit viel Stoff am Körper und leicht gepufften Ärmeln, die die Schultern betonen. Die Robe longue ist meist knielang, kann aber auch bis auf den Boden reichen.
Jüngsten Trends folgen, kann aber auch der, der sich traut, weit gepuffte, kurze Hosen zu einem engen Wams tragen, mit wiederum groß gepufften Ärmeln. Die zerhauene Mode der Landsknechte ist auch möglich, wird farblich und von der Stoffmenge her aber i.d.R. etwas dezenter verwendet.

Das einfache Volk ist in der Regel arm, trägt daher oft schon recht zerschlissene Kleidung.
Enge Beinlinge und kurze Tuniken oder Wämser bei den Männern, Kleider, über Unterkleidern, die oft recht hoch unter dem Busen zusammengefaßt sind, bei den Frauen. Grobe Stoffe, gedeckte Farben.

Eine Sonderstellung in der Mode Trutzburgs nehmen die Landsknechte ein. Obwohl für sie Kleiderregeln gelten, die Ihnen einfache Kleidung vorschreibt, nehmen sie sich das Recht heraus, zu tragen, was ihnen beliebt. Zum einen, weil sie damit die Schrecken des Krieges kompensieren und sie kaum ein anderes Repräsentationsmittel haben, zum anderen, weil sie es können.
Die Kleidung der Landsknechte besteht aus einer kurzen Jacke, dazu enge Beinlinge oder Kniebundhosen. Diese sind mit sehr viel Stoff, vor allem viel Futterstoff, gemacht, und mit mehr oder weniger System geschlitzt, so dass man alle Stoffschichten sehen kann. Unterkleidung sind weite Hemden, auch „Hotpants“ mit angenestelten Hosenbeinen sind möglich.
Charakteristisch für Landsknechte sind die Kuhmaulschuhe, die vorne flach abgeschnitten sind. Ebenfalls wichtig sind die kreativen Kopfbedeckungen, die meist aus einer Kombination von Bundhaube und Barett entstanden. Nord-Trutzburger (Deutsche) tragen den reichen Federschmuck daran nach vorne, Süd-Trutzburger (Schweizer) den etwas kleineren Federschmuck nach hinten gerichtet.

Chaperons, also mit dem Gesichtsloch auf den Kopf gesetzte Gugeln, sind beim Adel und den anderen Höhergestellten üblich. Das Barett ist sonst weit verbreitet, auch bei sportlicheren Damen. Bundhaben gehen immer. Ansonsten stehen den Damen eine reiche Auswahl an Kappen oder Hauben, meist mit Schleiern, zur Verfügung.

In Trutzburg ist die Plattnerkunst auf ihrem Höhepunkt angelangt, es darf getragen werden, was gefällt. Besonders schön sind natürlich, vor allem für die Landsknechte, Panzer aus der Zeit Maximilians I. (1459-1519), mit Kannellierungen, schmaler Taille, geradem oberen Abschluss und mehrfach geschobenen Arm- und Beinpanzern. Kettenhemden sind out, sie kommen eigentlich nur noch als Kettenkragen bei den Landsknechten und als Hemd bei wenigen, armen Söldnern vor. Bevorzugte Helme für Adelige und ritterliche ist der Schaller, für Fußvolk kleine Hirnhauben oder Sturmhauben.

Landsknechte tragen immer einen Katzbalger, ein relativ kurzes, vorne meist stumpfes Schwert mit S-förmiger Parierstange. Kennzeichnend für sie sind außerdem der große Zweihänder und alle Arten von Hellebarden und ähnlichen Stangenwaffen. Schilde sind unüblich, gehen aber auch, oft tragen sie einen Buckler oder eine Pariertartsche.
Das gemeine Volk muss sich wieder mit großen Messern etc. begnügen, wobei die Adeligen auf eine reiche Auswahl von Waffen zurückgreifen kann. Aufgrund der guten Rüstungen sind Schilde nicht mehr zwingend nötig, so dass der zweihändig geführte Anderthalbhänder sehr beliebt ist.
Kennzeichnend für Trutzburg ist das Vorhandensein von Handfeuerwaffen, die vor allem von den Landsknechten in zunehmendem Maße, neben der Armbrust, eingesetzt werden. Jedoch sind diese Dinger noch recht plump, also größere Arkebusen mit Luntenschlössern.

Spätmittelalter an der Schwelle zur Renaissance.