Steckbett

Das SteckBett haben wir uns von einem Kumpel abgeschaut, den wir beim Reenactment kennen gelernt haben. Er wiederum orientierte sich beim Bau an einem tatsächlichen frühmittelalterlichen Bett. Neben der Tatsache, das es praktisch und bequem ist, ist es also sogar „GNI“! ;-)
Kleine Anmerkung: Als guter Ingenieur messe ich natürlich nur in Millimetern. Streicht ne Null weg, dann habt ihr Zentimeter, damit können auch Baumärkte und Tischler was anfangen.

Als Material bieten sich Leimholzbretter an. Eigentlich ist Leimholz in jedem guten Baumarkt vorhanden, nur die ganz langen Seitenwangen könnten ein Problem werden. Wirklich gute Baumärkte können das aber ohne Weiteres bestellen (wie man sowieso das interessanteste Holz bekommt, wenn man nur mal fragt).
In der bett.pdf findet ihr die Zeichnung, auf der alle Einzelteile eingetragen sind. Die Außenabmessungen der Einzelteile bestimmen, wie groß die eingekauften Bretter sein müssen. Im einzelnen sind das:

  • 2 Bretter 2300x250x28 mm, werden mal die Seitenwangen
  • 6 Bretter 1300x250x18 mm, werden mal die Auflagebretter
  • 4 Bretter 500x250x28 mm, werden mal die Beine
  • 2 Bretter 1356x250x28 mm, werden mal Kopf- und Fußende, wahlweise eins davon auch breiter als 250 mm, das wird dann das Kopfende
  • 1 runde Hartholzstange, 25 mm Durchmesser, wird mal zu Keilen

Die Materialkosten belaufen sich auf ca. 80 Euro (hängt aber stark vom Baumarkt ab!).

An Werkzeug braucht man nicht viel, mindestens aber:

  • 1 Stichsäge mit je einem vernünftigen, feinen Holzblatt für gerade Schnitte und eins für Kurvenschnitte
  • Bohrmaschine
  • 10 mm Holzbohrer
  • 26 mm Holzbohrer, muss aber nicht
  • Feile / Schleifpapier (100er z.B.)
  • Bleistift, Winkel, Zollstock / Bandmass

Am besten, man fängt mit dem Kleinkram an, bevor man an die großen Teile geht. Dabei empfiehlt sich insgesamt eine gewisse Sorgfalt, denn entweder gehen die Teile hinterher nicht ineinander, oder alles schlackert. Also:

  • Erstmal alle Bretter auf Länge bringen, falls das der nette Mann vom Holzzuschnitt noch nicht gemacht hat.
  • Die Ecken aus den Auflagebrettern sägen.
  • Die Öffnungen in die Beine sägen. Dazu erstmal knapp innerhalb jeder Ecke ein 10er Loch bohren, und dann so lange hin und her, immer wieder in neuen Löchern ansetzen, bis die Öffnungen schön rechteckig sind.
  • Das gleiche mit Kopf- und Fußende.
  • Die Ecken aus den Seitenwangen schneiden. Die 50 mm-Radien mit dem Kurvensägeblatt anbringen. Dann Öffnung um Öffnung sägen, wetten, dass es jetzt schon ziemlich schnell geht?
  • Dann mal alle Zapfen in alle Öffnungen stecken, so probehalber. Meist neigen die Stichsägeblätter dazu, am unteren Ende etwas nach innen zu wandern, also kann man die Öffnungen noch von der anderen Seite vorsichtig nachsägen, oder man schwingt die Feile. Am Ende sollte es so sein, dass alle Auflagebretter in alle beliebigen Öffnungen in den Seitenwangen und die Enden der Seitenwangen in alle Öffnungen an Kopf- und Fußende sowie den Füßen passen.
  • Vorzugsweise nach jedem Arbeitsgang bei den gerade gemachten Schnitten mit Schleifpapier die Kanten brechen.
  • Die großen Löcher für die Keile machen. Entweder mit dem 26 mm-Bohrer, oder mit dem 10 mm-Bohrer vorbohren und dann ein ruhiges Händchen mit dem Kurvensägeblatt beweisen.
  • Die Keile auf Länge bringen und mit der Stichsäge das überflüssige Dreieck abschneiden. Dann mit Feile und Schleifpapier glätten.
  • Wenn alles paßt, die Oberfläche behandeln. Schützt vor Dreck und Feuchtigkeit, und sieht gut aus. Wir haben Leinölfirnis genommen, man kann aber auch lackieren (dann müssen die Öffnungen aber alle etwas größer sein), beizen, oder, oder, oder.

Ich lege immer eine Seitenwange auf den Boden und stecke alle Auflagebretter hinein. Dann die zweite Seitenwange drauf und zusammendrücken. Flach auf den Boden legen und Kopf- und Fußteil aufschieben. Möglichst gleichmäßig, sonst verkeilt es sich. Dann die Füße aufstecken, während man das Bett anhebt. Die Keile einschieben und mit Gefühl festschlagen. Nur stecken reicht erfahrungsgemäß nicht.
Wir haben immer eine dünne Matratze, zwei Decken und ein paar Schafsfelle drauf. Ist schon sehr bequem, aber es könnte natürlich immer mehr sein, wo der Kofferraum unseres Autos aber Grenzen setzt. Wir schlafen übrigens unter Omas Steppdecken, nur wenns sehr kalt ist mit nem Mantel darüber. Irre warm, meint man nicht!

Versucht euch mal daran, es lohnt sich.

  • steckbett.txt
  • Zuletzt geändert: 12.07.2020 23:54
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