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Polsterwaffen

Um für LarpNeulinge und erfahrene Spieler, die uns noch nicht kennen, einen Leitfaden zu geben, stellen wir hier die Waffenphilosophie der Siebenhafen-Orga vor. Damit möchten wir Enttäuschungen und Diskussionen beim einchecken vermeiden. Wir möchten nicht nur erzählen, wie wir uns die perfekte Polsterwaffe vorstellen, sondern wir möchten auch erklären, warum wir so denken und welche Vor- und Nachteile bestimmte Bauweisen auf die Haltbarkeit und Sicherheit der Waffe haben.

Kernstab

Der Kernstab einer vernünftigen Polsterwaffe besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff, auch GFK oder Fiberglas genannt. Gekaufte Waffen besitzen in der Regel einen solchen Kernstab, für Selbstbauer sind diese Stäbe in jedem vernünftigen Larphandel zu erwerben und mittlerweile auch gar nicht mehr teuer.

Für Klingenwaffen empfehlen wir eckige Kernstäbe, da sich diese sich nicht so leicht verdrehen. Für den Selbstbauer sind sie viel einfacher und sicherer einzubauen. Wenn professionelle Waffenbauer runde Kernstäbe verwenden, geschieht das aus anderen Gründen. Die wissen auch genau, wie sie die Kernstäbe einzubauen haben. Für Selbstbauer gilt: Wenns irgend geht, eckige Kernstäbe benutzen. Für Streitkolben, Knüppel oder Äxte kann man auch runde Kernstäbe verwenden (eckige gehen aber auch), weil da einfach anders gebaut wird. Leider gibt es bestimmte Längen dann auch nur noch in Rund. Die Kernstäbe sollten eine gewisse Dicke bzw. Durchmesser aufweisen, weil die Waffen sonst zu ekligen Peitschen werden. Und vergesst es, auch mit dünnen Kernstäben wird nicht gestochen! Diese Peitschenwaffen hinterlassen unangenehme Striemen, denen einer echten Peitsche nicht unähnlich. Außerdem sind zu dünne Kernstäbe immer in Gefahr, vorzeitig zu brechen. Und gebrochene Waffen sind eine echte Gefahr, von den Kosten einer neuen Waffe einmal abgesehen.

Wie eingangs erwähnt, ist das einzig sichere Material, aus dem Kernstäbe bestehen können, Fiberglas. Was auch immer euch die Larp-Großväter über Bambus oder Plastikrohre erzählt haben, vergesst es. Wir versuchen, um folgenden auf die Gefahren der verschiedenen Materialien einzugehen.

  • Bambus: Bambus wurde viel verwendet, als der Larphandel noch keine so präsente Branche war. Mittlerweile kann man aber in jeder Großstadt und im Internet vernünftige Fiberglas-Kernstäbe kaufen. Bambus ist einfach nicht so fest wie Fiberglas, somit ist die Bruchgefahr viel größer. Und wenn sie brechen, produzieren sie ekelhafte Splitter, die schwere Verletzungen verursachen, die schlecht heilen.
  • Metall: Schwere Eisenstangen scheiden aufgrund ihres Gewichts und der damit verbundenen Verletzungsgefahr aus, wie wohl jeder einsieht. Trotzdem gibt es immer wieder Spezialisten, die z.B. mit einem Alurohr versehene PolsterWaffen verwenden wollen. Metall hat aber gegenüber Fiberglas den Nachteil, dass es sich beim Auftreffen plastisch, also dauerhaft verformt und nicht zurückfedert wie Fiberglas. Die Energie, die das Fiberglas durch das Zurückfedern aufnimmt, gibt das Metall durch die Verformung kaum gebremst in den Körper des Getroffenen. Verletzungen von Blutergüssen bis zu Knochenbrüchen sind die Folge.
  • Plastik: Jeder andere Kunststoff außer Fiberglas, mag er auch „hochfest“ oder „schlagzäh“ heißen, ist weniger stabil als Fiberglas. Somit brechen solche Waffen erheblich schneller.
  • Holz: Holz neigt schon bei geringen Belastungen zum Brechen. Dünne Kernstäbe aus Holz halten schlichtweg nichts aus. Und wenn das Holz bricht, entstehen gefährliche Splitter. Holz kommt unter keinen Umständen in Frage.

Schaumstoff

An Art und Dicke des Schaumstoffs scheiden sich die Geister. Grundsätzlich gilt, dass der Schaumstoff vernünftig verarbeitet werden muss. Lose Klebestellen sind viel gefährlicher als zu harter Schaumstoff.

Der Schaumstoff sollte an allen Seiten, und damit ist nicht nur die Schlagfläche gemeint, sondern auch Griffe von Äxten und Rückseiten von Säbeln, nicht dünner sein als 10 mm. Besser etwas dicker. An der Hauptschlagfläche muss der Schaumstoff mindestens 20 mm dick sein. Besser dicker. Zu dick gibt es quasi nicht, zu dünne Schaumstoffschichten erhöhen jedoch die Gefahr, dass der Kernstab durchschlägt. Dünnere Waffen mögen besser aussehen, vor allem in Verbindung mit zu dünnen Kernstäben werden sie bei uns jedoch ohne Ausnahme aussortiert.

Wir haben den Eindruck, dass in den drei nördlichen Bundesländern im Allgemeinen weichere Waffen bevorzugt werden als in den anderen. Beide Varianten, harte und weiche haben etwas für sich: Weiche Waffen tun im normalen Kampf weniger weh, harte Waffen verhindern im Notfall ein Durchschlagen des Kernstabs besser. Letztlich gibt es eine bestimmte Spanne, in der die Härte einer Waffe in Ordnung ist.

  • Zu weich ist eine Waffe, wenn schon mit geringem Druck der Kernstab erfühlt werden kann. Vor allem Schaumstoffe, die sonst zum Polstern von Möbeln verwendet werden, sind in den geringen Stärken einer Polsterwaffe zu weich. Als Kopf eines Hammers o.ä. sind sie in Ordnung, solange sicher gestellt ist, dass der Kernstab nicht durchschlagen kann.
  • Zu hart ist eine Waffe, wenn sie sich bei Druck fast gar nicht verformt. Besonders für Axtköpfe o.ä. sind die üblichen Schaumstoffe oft zu hart. Wenn sich eine Waffe anfühlt wie hartes Brot, ist sie zu hart.

Beschichtung

Die einzige vernünftige Beschichtung für Polsterwaffen ist Latex. Tapewaffen sind oft zu hart, können scharfe Falten bilden oder das Tape hat scharfe Kanten, und mittlerweile gilt als sicher, dass der Klebstoff von Panzertape Latexkrebs verursacht. Somit schädigen diese Waffen die Waffen anderer Spieler. Außerdem sehen sie total behämmert aus. Auf den ersten Blick mögen sie haltbarer sein, aber wenn die Waffe ordentlich (dick) gelatext ist, hält sie genauso lange, wenn nicht länger. Tapewaffen sind einfach nicht mehr aktuell.

Latex muss mit einer Schutzschicht versehen sein, damit es nicht unter den Umgebungseinflüssen wie Sonnenlicht, Regen und Dreck leidet. Außerdem ist „nacktes“ Latex, auch wenn es trocken ist, klebrig und kann bei Kontakt mit nackter Haut schlimme Brandwunden verursachen. Auch bleibt man dann an den Waffen seines Gegners hängen, was für beide nicht gerade zuträglich ist. Ob man dafür Silikon, Talkum oder besondere Beschichtungen verwendet, sei jedem selbst überlassen.

Spitzen

Die Spitzen sind der kritische Punkt einer Polsterwaffe. Sie sind es auch, die i.d.R. zuerst kaputt gehen. Deshalb müssen sie vernünftig gesichert sein. Vernünftig bedeutet, mit Leder oder Kevlargewebe. Stoff oder Tape haben sich nicht bewährt. Waffen ohne Spitzensicherung werden aussortiert.

Pömpfen, Stechen, Werfen

Zum Niederschlagen (Pömpfen), Meucheln, Stechen und Werfen werden ausschließlich Waffen ohne starres Inlay verwendet. Wurfwaffen dürfen aber durchaus mit Bleiband oder Sand etc. beschwert sein. Lieber eine schwere Waffe am Bein, als eine leichte im Auge. Bei Stich- und Wurfwaffen wäre es von Vorteil, wenn sie nicht allzu spitz sind, um z.B. die Augen zu schützen. Zum Niederschlagen dürfen die Knäufe von Waffen mit Kernstab unter keinen Umständen verwendet werden. Auch beim Niederschlagen wird nicht auf den Kopf geschlagen! Trefferzone sind Nacken und Schultern.

Schilde

Für Schilde gilt grundsätzlich das gleich wie für Waffen. Jedoch dürfen sie durchaus auch aus härterem Schaumstoff bestehen, da sie nicht mit dem Körper des Gegners in Kontakt kommen. Dennoch müssen sie gepolstert sein. Auch kann ihr Kern, so sie einen besitzen, durchaus auch aus Holz oder anderen Kunststoffen als GFK bestehen. Metall jedoch ist aufgrund der möglichen scharfen Ränder bei uns nicht zugelassen. Die Ränder sind auch der kritische Punkt an Schilden mit Kern, er muss ausreichend gesichert sein. Ein Schaumstoff-Überstand von mindestens 20 mm ist nötig.

Die Beschichtung von Schilden muss nicht so harten Anforderungen genügen wie die von Waffen. Es dürfen z.B. ÜBerzüge aus Leder oder Stoff verwendet werden. Tape wird nicht so gern gesehen, im Einzelfall aber toleriert. Tape unter Stoff ist kein Problem. Am besten ist immer noch Latex, wobei dann die selben Anforderungen an den Schutz des Latex gestellt werden wie bei Waffen.

Die Riemen müssen stabil befestigt sein, vor allem dürfen keine scharfkantigen Schraubenteile hervorragen - weder auf der Innen- noch auf der Außenseite.

Grundsätzlich dürfen bei uns beide Arten eingesetzt werden. Schilde ohne Kern sind etwas sicherer, aber nicht so haltbar. Außerdem verleiten sie aufgrund ihres geringen Gewichts zum unsachgemäßen Umgang (Heben, Stoßen, Chargen). Schilde mit Kern sind, wenn sie vernünftig gemacht sind, ebenso sicher und erheblich haltbarer. Außerdem sind sie aufgrund ihres Gewichts dichter an realen Schilden und werden daher meist realistischer gehandhabt.

Völlig unabhängig von der Bauweise des Schildes, darf es nur zur Abwehr von Angriffen mit Polsterwaffen verwendet werden. Es schützt nicht vor Zaubern etc.

Besonders wichtig ist hier der Punkt des „Chargens“, also des Hineinspringens in den Gegner, wie es besonders gern bei Schildreihen praktiziert wird. Diese Technik ist absolut verboten, egal mit welchem Schild. Die Problematik bei Schilden mit Kern muss hier wohl nicht näher erläutert werden, aber auch das Chargen mit kernlosen Schilden stellt eine Gefahr dar, weil hier die Körpermasse des chargenden Spielers ungepolstert zum Einsatz kommt.

Auch der Angriff mit dem Schild, der Schlag mit der Schildkante oder der Einsatz eines Dorns auf dem Schild ist als Handgemenge untersagt. Eine Ausnahme bilden Schilde, die einen waffenartigen Fortsatz haben, der so angeordnet ist, dass man ihn auch als Waffe, ohne den Schild, verwenden könnte.

Was wir natürlich nicht verbieten wollen, ist der abgesprochene Einsatz des Schildes. Wie bei der Prügelei, bei der auch vorher beide Beteiligten ihr Einverständnis zum Handgemenge erklären, kann der Schild, immer im Rahmen der Sicherheit, auch zum Angriff etc. eingesetzt werden. LarptippsPhilosophie