Das Herzogtum Selachi

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Das Herzogtum Selachi

Obwohl man den Teil des Herzogtums, der auf dem Festland liegt, in weniger als zwei Tagen durchwandern kann, ist das Territorium, das von Port Selachi aus verwaltet wird, doch weitaus größer. Außer einem kleinen Zipfel auf dem Festland gehören zu Selachi noch die Inseln Wollin, Heringsholm und Lange Oie, außerdem noch unzählige kleinere Inseln, Halligen und vorgelagerte Dünen.
Ist das Land auch sehr zerstreut, so ist es doch meist fruchtbar und saftig, so dass das Vieh gedeiht und Korn und Rüben in vollem Saft stehen. Wer jedoch annimmt, das Volk ernähre sich von Ackerbau und Viehzucht, der irrt. Die ungezählten Buchten und geschützten Ecken, kleine Inselchen und unzugängliche Gebiete im Sumpf um Port Selachi beherbergen eine ungute Seeräuberbrut, dass einem gottesfürchtigen Mann übel werden könnte. Sie überfallen ohne Unterschied Schiffe und Boote, seien sie aus Siebenhafen oder nicht, sie suchen ungeschützte Dörfer entlang der Küste heim und locken reichbeladene Kauffahrer mit falschen Feuern auf die Klippen und nehmen sich, was angespült wird.
Als wenn sich bei dieser Beschreibung nicht einem braven Zweifaltigen der Magen umdrehte, so hört erst, was sich in Port Selachi an Abscheulichkeiten zuträgt! An jeder Ecke, aus jedem Fenster werben die Huren, die mit den Branntweinhöllen und den Spielhäusern, in denen man leicht seine Habe und sein Leben verlieren kann, um zahlende Kundschaft buhlen. Die Straßen sind schlammig, überall liegen die Männer und Frauen im Dreck, sei es schlafend, im Suff oder tot. Schlafen tut die Stadt nur in den Mittagsstunden, sobald die Sonne sich dem Horizont zuneigt, beginnt das sündhafte Treiben von neuem.
Ihr mögt euch fragen, wie dies alles in unserem schönen Siebenhafen geschehen kann? Nun ja, sagen wir es, wie es ist: Die Herzogin lässt es zu. Sie ist die Schwester von Fürst Borwin, und der kann der schönen Natascha nicht abschlagen. Daher lässt er sie in Ruhe und behauptet vor den anderen Herzögen, sie käme mit der Situation alleine zurecht. Ich kenne nur einen Teil der vielen Geschichten über Natascha, und ich bin mir sicher, sie käme mit allem alleine zurecht, wenn sie es nur wollte. Fast alle sind sich einig, dass die Herzogin allzu oft wegschaut, aber wenn man das Volk fragt, sieht sie nicht nur weg, sie nimmt sogar bisweilen an Raubzügen teil! Sie soll einen Geliebten haben, einen stattlichen Piratenkapitän, und dieses Paar führt die gefürchtetsten Seeräuber von ganz Siebenhafen in die See. Natürlich würde jeder beschwören, die Herzogin nie auf einem dieser schnellen Segler jemals gesehen zu haben, denn ihr Arm ist lang und ihr Degen scharf. Es gehen Gerüchte, dass sie ihren Besitz, einen Schatz von angeblich riesigen Ausmaßen, auf einer Insel im Binnenmeer von Heringsholm versteckt. Dieses Binnenmeer sei verzaubert, und nur sie kenne die Wege aufs Meer, die ihr die überraschenden Angriffe und schnellen Rückzüge erlaubten.
Ich habe dieses Herzogtum auf dem schnellsten Wege wieder verlassen, als ich gewahr wurde, welche Zustände dort herrschen. Doch noch ein Wort zum Glauben in Selachi: Wenn die Piraten und Seeräuber auch ein Leben in Sünde führen, so führen sie auch eines in ständiger Lebensgefahr. Daher habe ich bei meinem kurzen Aufenthalt in Selachi die Kirchen stets in sauberem Zustand und vor allem die Kapellen, in denen der Schiffbrüchigen gedacht wird, reich geschmückt und immer gut besucht erlebt.
Habt Dank, werter Leser, für eure Aufmerksamkeit und Geduld, die euch Siebenhafen gemeinsam mit mir durchwandern ließ. Lasst euch zu eurer Beruhigung gesagt sein, dass ich mein Kloster im Frühsommer wieder erreichte und für meinen Bericht viel Lob vom Abt bekam. Doch kann es mich nun nicht länger hinter Klostermauern halten, und ich habe meinen Abt bereits darum ersucht, meine Nase wiederum in den Wind stecken zu dürfen, und ich bin mir sicher, werter Leser, dass das ein oder andere Traktat aus meiner Feder euch fürderhin erreichen wird.

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