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Stellungsnahme zur Darstellung
sexueller Gewalt auf unserem Con

Auf der ersten Ankündigung zu unserem Endzeit-Con Siedem befand sich der Hinweis, dass es auf dem Con zur Darstellung sexueller Gewalt kommen könnte. Dieser Hinweis hat bei einigen Personen zu Verwirrung, Ablehnung und Missverständnissen geführt. Deshalb möchten wir zu diesem Passus hier ausführlich Stellung nehmen:

Zuerst ist es uns wichtig klarzustellen, dass wir in der Realität jede Form von Gewalt, Missbrauch u. ä. aufs Äußerste verurteilen und ablehnen.

Trotzdem glauben wir, dass dies einer Darstellung von Gewalt und damit auch sexueller Gewalt im Larp nicht widerspricht. Wir möchten damit nicht einfordern, dass dies grundsätzlich auf allen Larps eingeführt wird. Wir glauben, dass man Larp sehr unterschiedlich spielen kann und halten diese Vielschichtigkeit für sehr wichtig. Die Unterschiedlichkeit sichert ja gerade, dass jeder seine Art Con finden kann. Wir möchten dabei noch einmal betonen, dass wir in keiner Weise eine Art, unser Hobby Larp zu betreiben, besser oder schlechter finden als eine andere. Uns ist es wichtig, dass für jeden etwas dabei ist. Deshalb halten wir eine genaue Vorabinformation der Teilnehmer, was sie auf dem jeweiligen Con erwartet, für extrem wichtig. Unter diesem Gesichtspunkt wurde der Hinweis von uns verfasst; nicht um Personen, die aus welchen Gründen auch immer, Larp in dieser Form nicht spielen wollen, zu beleidigen, sondern um zu verhindern, dass sie auf ein Con fahren, dass ihnen nicht gefallen würde. Wir wollen auch gar nicht jeden davon überzeugen, dass er an einem Con teilnehmen sollte, das die Darstellung sexueller Gewalt zulässt, sondern finden nur die generelle Verteuflung dessen falsch. Es ist nicht in Ordnung, dass wir angefeindet und beleidigt werden.

Warum sollte man nun überhaupt sexuelle Gewalt auf einem Con darstellen wollen?

Wir möchten auf unseren Cons eine Illusion erschaffen. Die Illusion einer anderen Zeit oder einer anderen Welt. Dazu ist es notwendig, diese so überzeugend, vollständig und detailgetreu wie möglich darzustellen. Die Darstellung sexueller Gewalt war auf unseren bisherigen Fantasy-Cons wie üblich untersagt. Als wir nun die Planung für ein Endzeit-Con nach Degenesis begannen und dort den Schwerpunkt auf das Erzeugen der endzeitlichen Atmosphäre legen wollten, wurde uns klar, dass sexuelle Gewalt ein Bestandteil dessen sein könnte. Unserer Vorstellung nach würde in einer Welt, in der die Moral längst zerfallen ist, jeder für sich selbst kämpft und keine höhere Instanz Gesetze und Regeln durchsetzt, in der Mord und Totschlag alltäglich sind, auch sexuelle Gewalt stattfinden. Dies heißt für uns, dass die Darstellung sexueller Gewalt hier zur Atmosphäre und (um das Standardwort zu bemühen) zum Ambiente beitragen kann.

Die Darstellung von Mord und Totschlag, Stehlen und Foltern, Entführen und Einkerkern, Rassismus und Sklaverei ist auf den meisten Cons erlaubt und wird von einem Großteil der Larper akzeptiert. Uns erscheint es unsinnig, bei sexueller Gewalt eine Ausnahme zu machen. Denn diese ist zwar genau wie die anderen Beispiele in der realen Welt verboten und wird strafrechtlich verfolgt, wird aber auch in anderen Medien, wie z.B. Filmen, Büchern, Comics, Kurzgeschichten, Theaterstücken, teilweise sehr detailgenau und ausführlich dargestellt.

Entgegen vieler weit verbreiteter Gerüchte ist die Darstellung sexueller Gewalt auf einem Con nicht verboten. Wir wollen natürlich Unbeteiligte und Minderjährige schützen und haben das Con deshalb mit einer Alterbeschränkung ab 18 Jahren belegt und spielen auf einem abgeschlossenen Gelände.

Ein immer wieder angeführter Punkt ist die Traumatisierung von Personen, die selbst Opfer sexueller Gewalt wurden. Gerade an diese Personen richtete sich unser Hinweis, da wir sie vor eventuellen Problemen schützen wollten. Außerdem wird häufig angeführt, Personen, die solche Ereignisse verdrängt hätten, könnten einen psychischen Schock erleiden. Dies ist zwar grundsätzlich richtig, aber nicht wahrscheinlicher als im alltäglichen Leben. Solch ein Schock kann ebenso durch alle möglichen Trigger ausgelöst werden, beispielsweise auch durch das Parfum des Täters, kopulierende Hunde o. ä. Gleichzeitig könnte genauso aber auch die Darstellung eines Todes zu heftigen Flashbacks bei jemandem führen, der eine nahe stehende Person verloren hat, oder eine Prügelei bei jemandem, der schon einmal Opfer einer solchen wurde. Es ist also unserer Meinung nach nicht möglich, auf jede Eventualität Rücksicht zu nehmen, da sonst die Spielmöglichkeiten erheblich eingeschränkt werden würden. Willkürliche Ausnahmen erscheinen uns hier unnötig.

Aus den oben genannten Gründen erlauben wir die Darstellung sexueller Gewalt in einem angemessenen Maße mit Einwilligung aller Beteiligten auf diesem Con.

Es geht uns dabei nicht darum, dass wirklich jemand sexuelle Handlungen an einem anderen gegen dessen Willen durchführt. Es ist ausdrücklich nur die Darstellung sexueller Gewalt und nicht echte sexuelle Gewalt erlaubt, d.h. dass wir als SL nicht eingreifen würden, wenn ein Schrotter eine Apo mit „Nun zier dich doch nicht so“ auf seinen Schoß drückt. Sollte er wirklich seine Hose öffnen ist das natürlich etwas völlig anderes. Ebenfalls ist es wie immer im Larp jederzeit möglich eine Situation abzubrechen (STOPP!) oder aus ihr herauszugehen. Es ist nur ein Spiel und das Wohlergehen und der Spaß jedes Einzelnen stehen an erster Stelle. Außerdem werden wir als SL sexuelle Gewalt weder auf NSC-Seite anweisen noch plotrelevant einbauen. Es geht uns darum unseren Spielern mehr Freiheiten einzuräumen und dadurch die Welt dichter zu gestalten. Auch sollte jeder bedenken, der diese Freiheiten auf unserem Con nutzen will, dass andere Spieler die Freiheit haben, den Charakter zu bestrafen und ggf. zu töten.

Wir glauben, dass es Larper gibt, die die Darstellung sexueller Gewalt in angemessener Weise auf einem Con als stimmig und bereichernd erleben können und wollen. Natürlich ist jedem freigestellt, ob dies auf ihn zutrifft oder nicht. Wir finden aber nicht, dass es in Ordnung ist, uns dies von außen verbieten zu wollen oder uns deshalb zu stigmatisieren.

Wir sind zu einem konstruktiven Austausch gerne bereit und würden uns freuen, wenn wir euch zum Nachdenken anregen konnten.

Die Siebenhafen-Orga Esther Dirks und Silke Kotlarski

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