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Mützen

Brief von Alarion Aranabachor an die Königin der Elben

Geliebte Bereth,

wie ihr mich geheißen habt, verbrachte ich die letzten Wochen in dem Gobel der Menschen, mit denen ich Arana tausche. Mein Eindruck bestätigte sich, es sind kurzlebige, übel riechende Kreaturen, voller Aberglaube.
Doch ich muss zugeben, an einem Tag überraschten sie mich. Diesen Tag nennen die Menschen „Sendfest“. Eigentlich haben die Menschen in dem Haus dieses „Freiherrn“ genug zu essen, aber in der Woche vor diesem Tag gibt es nur Brei. Nur meine Idhor brachte mich dazu, diesen Schleim hinunterzuwürgen. Ihnen ging es ähnlich, es schien ihnen aber weit weniger auszumachen, wenn sie davor gemeinsam sangen.
Jener Festtag unterschied sich von allen anderen Tagen bei ihnen. Sie standen früh auf, doch nicht um an ihre maenas zu gehen, sondern um ein reiches Frühstück zu bereiten. Als alle saßen, reichte der persönlich Freiherr jedem eine Scheibe Bást, und ganz ungewöhnlich für sie achteten sie gar nicht mehr auf die Reihenfolge am Tisch und die unnützen Verbeugungen. Nach dem Essen sprach der golwen Dir, von einer Frau namens Milena, und der Bedeutung dieses Tages. Er scheint den Menschen sehr wichtig zu sein. Als er geendet hatte, stürzten alle hinaus in die kalte Gwelwen des Winters, und wie erstaunt war ich, als sie alle die Mützen, die sie sonst stets trugen, an einen Balken neben der Tür hängten.
Den ganzen Tag über stahl sich immer mal wieder einer heimlich von der Gemeinschaft fort, um eine Botschaft in einen Carab zu legen. Sie verbrachten den Tag damit, dem golwen Dir zu lauschen, Gedichte, Lieder und Geschichten vorzutragen. Die Alten durften am Feuer sitzen, im Stuhl, der sonst dem Freiherrn vorbehalten ist, und die Herrin spülte in der Küche das Geschirr. Eine Harmonie herrschte im Haus, dass mein Herz ganz schwer und wehmütig wurde nach der Gemeinschaft am Pand na Bereth.
Abends, nach dem Essen, trug ein jeder seine Kopfbedeckung wieder ins Haus. Alle zogen sich allein in Ecken zurück, und selbst für mich hatte man ein Tuch von Arana ausgelegt, in dem sich einige Suilanna gesammelt hatten. Die Botschaften liessen manches Gesicht vor Ärger entstellen, doch flossen auch viele Tränen des Glückes. Mir teilten die Menschen, was ich nicht erwartet hatte, mit, dass sie sich durch meine Anwesenheit geehrt fühlten, dass sie wünschten, ich möge sie auch im Wald nicht vergessen, und es rührte mein Hûn, dass ich keinem etwas geschrieben hatte.
Als alle ihre Zettel verstaut hatten, huschten sie flugs auf ihre Zimmer. Aber bald waren alle wieder da – doch wie verwandelt. Die Kleider reich, und die Gesichter verdeckt von Masken. Man erklärte mir, am Tage der Botschaften seien alle Iau aufgehoben, alle seien gleich, und so verbergen sie, was sie sonst sind, und feiern gemeinsam. Musikanten spielten auf, und alles drehte sich im rauschenden Kreise. Ich konnte nicht anders, ich mischte mich unter sie, und auch mich erfasste, so fern der Bair, doch ein großes Glück.
Bereth, dieser Tag hat mir gezeigt, dass auch in den Menschen ein gutes Herz wohnt, und dass ein Schritt auf sie zu kein Schritt in die falsche Richtung sein muss.

 

Degen